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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny - Briefe 1938-1945
Seite - 146 -
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3 Briefe 73)AnMariaCharlotteSweceny,o.O. [St.Wolfgang],o.D. [ca. EndeMai1941] L.L.,m.H., vielenDankfürDeinliebesBrieferl.MeinBrieferlwirstDu,hoffentlich, inzwischen auch schon bekommen haben. – Es ist sonderbar, dass Du von allem, was im Hause ist, eigentlich nur vom Wetterfleck geredet hast. Dieser Wetterfleck liegt jetzt auf dem Sessel vom Hans V., und auf dem Bett liegt unten die Decke, die in Wien auf dem Diwan gelegen ist. Wiemerkwürdig,dassDueineAhnunggehabthast, dassdamit etwas los ist! Mit Norbert H. und der Baronin Soko war ich vorgestern in Ischl, und gestern soupiertenwir imRössl. In Ischlhabe ichSpargel gekauft, und dann waren wir in der Kaiservilla drin, wo wir die Jagdtrophäen besich- tigt | haben und den Schreibtisch, an welchem die ganze Geschichte vorgegangen ist. Hasen gibt es in Gastein jetzt keine mehr, dafür aber einen Spielhahn. Wenn ich zum Blockhausgehe, sitzt er imGras und fliegtmit großem Gepolterdavon.DieHasenwerde ich in „andernWäldern“besichtigen undwerde sievonDir schöngrüßen.Esgibt aber inderGegendnicht viele, undsiehabendieSeltenheit vonHirschen. Ich schlafe sehrvielundarbeitegarnichts:dies ist einZustand,den ich mir immer schon gewünscht habe. Aber es ist doch eigentlich ein sonderbarer Zustand, eine auf etwas unwirkliche Art zwischen den Zeiten schwebende Zeit. Man hat, in solchen Zeiten, allerhand Gefühle; unddieseGefühlewissen,was siemeinen, –aberes istnatürlich schwer wie immer, sie richtig zudeuten. | Es ist eigentümlich, dass man die Zeiten eigentlich immer erst später richtig lebt,wennmanweiß,wiealles ausgegangen ist. ImAugenblick selbst verstehtmannichtwirklich, sie zu leben. Ichbinsehr froh,dass ichdenFilminWienzuEndegeschriebenhabe. Eswäremir sehrunangenehm,hätte ich jetztdarannochzuarbeiten. Aber ich bezweifle nicht, dass die Leute demnächst mit der ganzen Geschichte wieder über mich herfallen und allerhand verlangen werden. Nun, ich will dagegen unternehmen, was ich kann. Mit der Zähigkeit eines Beamten, will ich die Geschichte so weit zurückdrängen, als ich nurkann. Es tut mir so leid, dass jetzt immer noch alles zu sehr im Ungewissen schwebt, als dass man irgendwelche genauen Pläne machen könnte. 146
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny Briefe 1938-1945
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Titel
Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Untertitel
Briefe 1938-1945
Autor
Christopher Dietz
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2013
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78887-4
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
468
Kategorien
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