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3.4 Briefe1941
75)AnMariaCharlotteSweceny,o.O. [St.Wolfgang],27.5.[1941]
FrauLotteSweceny.
Franzensbad,
KurhotelHygiea
(Sudetenland.)
M.l.H.,
heute sind die Manuskriptblätter an die Ufa gegangen, – und nun
habe ich, von dieser Seite, hoffentlich ein paar Tage Ruhe. Es ist schwer
zu sagen, wie ich den zweiten Teil gemacht habe. Ich glaube, es ist
ganz spannend, wenngleich nicht allzu gut. – Ich freue mich sehr, m.H.,
dass es Dir schon besser im Franzensbade gefällt. Den hiesigen Hotel-
direktorhabe ichheutegetroffen, er sagte, er sei schondemWahnsinn
nahe, wenngleich das Hotel noch gar nicht eröffnet ist. Nun, hoffent-
lich wird’s dann besser mit seinem Geiste. – Ich weiß nicht, warum
es keinen Dampffisch gibt: vielleicht erfinden wir ihn noch. Oder gar
einenDampffisch-Ersatz. –DasBuchvomThießsoll sehrgut sein, sagt
der Sándor. Jedenfalls ist es recht dick. Reindl schreibt mir, dass die
„Inschriften“ imHeft12der „Dame“erscheinen,das „Hildebrandslied“
im 13ten Heft (also Mitte und Ende Juni). Der Colbatzky will immer
noch das Schlachtenbuch, und auch der Suhrkamp gibt ihm schon |
Ezesdazu, z.B.dassmaneinen jungenGelehrtenbeauftragenkönnte,
dasMaterial fürmichherauszusuchen.Nunwirwollen sehen,wie sich
dasGanzeentwickelt, undwobei esbleibt: vorallem,wodie „Sizilien“
heraussollen.DasSchlachtenbuchschreibe ichaberganzbestimmtnicht
vorAblauf einigerMonate, –wenn überhaupt,und eskommt mir recht
unwahrscheinlichvor,daß ich’s schreibe. Ichmöchte, gelegentlich, lie-
ber wieder einen Filmentwurf von mir geben. Ich bin neugierig, was
die Ufa zu meiner Bedingung sagt, daß sie mir einen Drehbuchautor
hierhierschickenmüssen. ImGrundegehtmiralldasnichtnahe,und ich
freue mich viel eher darauf, jetzt einige Tage an den Waldrändern sitzen
undummichschauenzukönnen. JetztwarHebrazweiTagehier.Heute
ist erwieder fort, ichglaube, erwarnicht sehrglücklich,dass er forthat
müssen. M.H., nun hast Du ja eigentlich schon mehr als die Hälfte von
Deiner Badegeschichte hinter Dir. Ist es Dir recht? Ich glaube, es wird
Dir gut tun, wenn Du zurückkommst und dann doch wieder auch mit
Leuten redenkannst. Lebe rechtwohlmeinHase,undallesLiebeund
GuteundSchöne!
Den27.Mai.
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Titel
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Untertitel
- Briefe 1938-1945
- Autor
- Christopher Dietz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.5 cm
- Seiten
- 468
- Kategorien
- Weiteres Belletristik