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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny - Briefe 1938-1945
Seite - 164 -
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3 Briefe viel gewartet: –undnochkann ichnicht sagen,wasausmeinenAnge- legenheitenwird.Es sindallerhand–undzumTeil sehrweitreichende –Bemühungen imGange.Vielleicht sind sie schongeglückt, vielleicht auchgescheitert; ichhabeesnochnicht erfahren. Es gibt natürlich unvergleichlich Ärgeres als meine Lage. Aber es gibt wohlkaum eineLage, die zu jemandemsogar nichtpasst wiediese zu mir. Sie ist lächerlich, – um nicht zu sagen: grotesk: und wenn es Zweck hätte, wäre ich auf mein Schicksal beleidigt. Vielleicht habt Ihr alle unrecht gehabt, wenn Ihr mir anempfohlen, ja nahezu befohlen habt, nichtsExtremeszu unternehmen.Aber– sokomisch ist daswiederum–: vielleicht wäre ein extremer Entschluss meinerseits garnicht genehmigt worden. Ichesse täglichzuMittag imRestaurantaufderTrabrennbahn,–ob es Rennen gibt oder nicht. Das Traben ist ein ordinärer Sport. Aber es sindwenigstensPferde,welche traben, –nicht immerwiederdiese wider=|lichenMotoren.NebenderRennbahngibt eseinen tümpelar- tigenaltenWasserlauf,mit einerMengevongrünemZeugbewachsen, und die Bäume hängen darüber .. Vielleicht gibt es da sogar Hasen. Ich denke oft daran, daß ich hier, später, einmal mit dem Wagen herausfah- ren,dasansehenundsagenwürde: „Hieralsowar’s.“Aberman tut ja dergleichen doch nicht. Und es ist sehr sonderbar: wenn man, durch Zufall, Stellen wiederfindet, die für einen einst irgendwelche Bedeutung gehabt haben, so machen sie gar keinen Eindruck mehr. Was vorbei ist, ist bedeutungslos geworden, was kommen wird, vermag noch nicht Eindruckzumachen,undnurderAugenblick selbst ist vonBedeutung. Sie [sic!] istgrenzenlos.Undmanhatgut sagen, späterwerdeallesganz gleichgiltig sein.Esgibtdennochnichts alsdieGegenwart. Nichts als die Gegenwart gibt es, – aber wir haben gewisse Fehler inderWahlunsererGegenwartbegangen.Esnütztnichts, daßsieuns hinterher interessant, ja romantisch scheinen mag: – das zwanzigste Jahrhundert isteineschwierigeZeit,darinzuleben.Esbestehtaus lauter Schwierigkeiten,undschwierig lebenheißt:überhauptnicht leben.Es fehltunsvollkommen|dieGnade,dieunsetwas schenkt.Wirmeinen uns alles zu erarbeiten. Und alles Erarbeitete ist schlecht, unfrei und unedel. Dass ich, vorläufig, imKaiserhofundnichtbeiderR.oder imMajestic wohne, scheint mir, ebenso vorläufig, ein großes Glück. Das Hotel ist sehrangenehm,anständig,undes liegtgünstiganmeinerwichtigsten Verbindung. 164
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny Briefe 1938-1945
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Titel
Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Untertitel
Briefe 1938-1945
Autor
Christopher Dietz
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2013
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78887-4
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
468
Kategorien
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