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3 Briefe
viel gewartet: –undnochkann ichnicht sagen,wasausmeinenAnge-
legenheitenwird.Es sindallerhand–undzumTeil sehrweitreichende
–Bemühungen imGange.Vielleicht sind sie schongeglückt, vielleicht
auchgescheitert; ichhabeesnochnicht erfahren.
Es gibt natürlich unvergleichlich Ärgeres als meine Lage. Aber es gibt
wohlkaum eineLage, die zu jemandemsogar nichtpasst wiediese zu
mir. Sie ist lächerlich, – um nicht zu sagen: grotesk: und wenn es Zweck
hätte, wäre ich auf mein Schicksal beleidigt. Vielleicht habt Ihr alle
unrecht gehabt, wenn Ihr mir anempfohlen, ja nahezu befohlen habt,
nichtsExtremeszu unternehmen.Aber– sokomisch ist daswiederum–:
vielleicht wäre ein extremer Entschluss meinerseits garnicht genehmigt
worden.
Ichesse täglichzuMittag imRestaurantaufderTrabrennbahn,–ob
es Rennen gibt oder nicht. Das Traben ist ein ordinärer Sport. Aber
es sindwenigstensPferde,welche traben, –nicht immerwiederdiese
wider=|lichenMotoren.NebenderRennbahngibt eseinen tĂĽmpelar-
tigenaltenWasserlauf,mit einerMengevongrĂĽnemZeugbewachsen,
und die Bäume hängen darüber .. Vielleicht gibt es da sogar Hasen. Ich
denke oft daran, daß ich hier, später, einmal mit dem Wagen herausfah-
ren,dasansehenundsagenwürde: „Hieralsowar’s.“Aberman tut ja
dergleichen doch nicht. Und es ist sehr sonderbar: wenn man, durch
Zufall, Stellen wiederfindet, die fĂĽr einen einst irgendwelche Bedeutung
gehabt haben, so machen sie gar keinen Eindruck mehr. Was vorbei
ist, ist bedeutungslos geworden, was kommen wird, vermag noch nicht
Eindruckzumachen,undnurderAugenblick selbst ist vonBedeutung.
Sie [sic!] istgrenzenlos.Undmanhatgut sagen, späterwerdeallesganz
gleichgiltig sein.Esgibtdennochnichts alsdieGegenwart.
Nichts als die Gegenwart gibt es, – aber wir haben gewisse Fehler
inderWahlunsererGegenwartbegangen.EsnĂĽtztnichts, daĂźsieuns
hinterher interessant, ja romantisch scheinen mag: – das zwanzigste
Jahrhundert isteineschwierigeZeit,darinzuleben.Esbestehtaus lauter
Schwierigkeiten,undschwierig lebenheiĂźt:ĂĽberhauptnicht leben.Es
fehltunsvollkommen|dieGnade,dieunsetwas schenkt.Wirmeinen
uns alles zu erarbeiten. Und alles Erarbeitete ist schlecht, unfrei und
unedel.
Dass ich, vorläufig, imKaiserhofundnichtbeiderR.oder imMajestic
wohne, scheint mir, ebenso vorläufig, ein großes Glück. Das Hotel ist
sehrangenehm,anständig,undes liegtgünstiganmeinerwichtigsten
Verbindung.
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Title
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Subtitle
- Briefe 1938-1945
- Author
- Christopher Dietz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 468
- Categories
- Weiteres Belletristik