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3.4 Briefe1941
Hiergibt es einenFeldwebel vonFradeneck. (SolcheZusammenstel-
lunggibt es).Er ist ausKärnten,undmeineMutter erzählteoft etwas
von der „alten Fradeneck“. Es ist – ungefähr – die alte Sunstenau aus
demKapitel Silverstolpe, –oder soähnlichmußsiegewesensein. –
Ich würde unendlich viel dafür geben, wenn ich wüßte, was sein
wird, –nichtnur soweitmansich’s ausrechnenkann, sondernwirklich.
Aber unsere natürlichen Mittel dazu sind verschüttet. Immerhin: ich
nehme an, daß die Bewegtheit aller Schicksale in diesem Jahr auch
weiterdauernwird, vielHinundHer, vielÜberraschendeswirdesgeben.
MeinHase,vielleichtfindeichheuteoder|morgenvonDireinBrieferl
vor. Ich meine: es ist eine lange Zeit vergangen, seitdem wir uns in Ischl
Lebewohlgesagthaben.Es sindnochnicht einmaldreiTage, abermir
scheint, es sind [sic!] viele Wochen her. Es vollzieht sich ungeheuer viel
undsehr schnell.AberwennmandieZeit ansieht, so scheint sie stille zu
stehen. Ichhoffe sehr,Dir ist dieZeitnicht so langsamvergangen.
Führt Dich niemand an der Hasenpfote, wenn Du ausgehst? Mein
Hase, was wird wohl mit uns noch alles werden! Jetzt geht’s ja noch.
Aber was wird sein, wenn die Zeit fortschreitet? Denn so ist sie, die Zeit:
wenn man nicht hinsieht, ist sie doch gleich um ein Stück weiter, und
wennmannicht auf sie achtgibt, so scheint sie verloren.
VieleKüsse,unddasSchönsteundLiebste!
Berlin,
d. 17.Spt. 1941.
Neni.
94)AnMariaCharlotteSweceny,Berlin, 19.9.1941
Berlin,W8,d.19.Spt. 1941.
Mein lieberHase,
ich danke Dir viele Male für Dein Brieferl (das auf blaues Papier
geschrieben ist). Mir ist sehr leid, daß Du’s in Wien kalt hast, – und
daß Du traurig bist. Ich bin auch sehr traurig, mein Hase. Die Leute
behaupten zwar, es werde alles gut ausgehen, – aber ich weiß nicht
wann;und ichglaubeüberhaupt nicht rechtdaran. Ichhabe jetztdiese
Tage weniger zu tun, das heißt: ich muß nicht draußen sondern hier im
Hôtelwarten,daßes späterwird.
Für das, was ich am Bismarck-Film schon gearbeitet habe, wollen sie
mir2000Markgeben,–undwennichweiterarbeitenkann, sobekomme
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Titel
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Untertitel
- Briefe 1938-1945
- Autor
- Christopher Dietz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.5 cm
- Seiten
- 468
- Kategorien
- Weiteres Belletristik