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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny - Briefe 1938-1945
Seite - 166 -
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3 Briefe ichnoch8000.Das ist ganzgut, ichhabeauchnochGuthabenbeider UfaundderTerra, sodass ichwenigstenskeineGeldsorgenhabe. Heutehabe ichanSedlakeinenBezugscheinfüreine|Blusegeschickt. Bitte ruf ihnanundsag ihm,er soll siemir sehr raschmachen. Im Oktoberheft der Neuen Rundschau soll Silverstolpes Brief und der Traum vom Welt-Ende abgedruckt werden. Ich habe gestern die Korrekturengelesen.MitSuhrkamphabe icheinmalabendsgegessen, – gestern mit Buchholz. Mir ist sehr langweilig und ich fühle mich überhaupt gar nicht „dans mon assiette“. Ich fange sogar zu lesen an. Suhrkamphatmir einpaarBüchergeschickt. Ich leseaufderFahrtnach Ruhlebenund inmeinemZimmer. Ich lese auch Deine Briefe viele Male, mein Hase. Mir ist, als sei alles, wasmir liebund teuer ist, sehr ferne.AufderWelt könnendie traurigen Sachen viel trauriger sein als die fröhlichen. Mir ist so unangenehm, ich sitze oft da und zähle die Minuten. Ich habe schon oft Zeiten in meinem Leben gehabt, welche mir so unangenehm gewesen sind. Eigentlich müßte ich sie | schon gewohnt sein. Aber, es ist merkwürdig, ich bin sie nicht gewohnt. Vielleicht waren es doch nur wenige solche Zeiten. Oder,wenneseinemwiedergutgeht, vergisstmansieundmüßte sich eigentlich immerwiederneugewöhnen.Dabei ist’sdasMerkwürdige:es geht mir doch eigentlich gar nicht so schlecht. Es geht mir nur so contre cœur.Mankönntedaraus schließen,dass ichwirklichetwasandres zu tun hätte und dass es gelingen müßte, es zu tun. Aber es will immer wieder scheinen, als solle esnichtgelingen.Duhastganz recht,wenn Dusagst:unserAufwand,dasSchicksal abzuwehren,nehmeunsmehr von uns selber, als das Schicksal uns nimmt. Dies aber ist eben die abscheuliche Situation: wenn man in sie nicht passt, so ist selbst das gute, das sie enthält, nicht aus ihr zu holen. Mit kommt alles so vor, wie dasungarischeLied:Der traurigeSonntag,beidemsich sovieleLeute erschossenhabensollen, sodass es schließlichverbotenwerdenmußte. Suhrkamphatmir einBuchgeliehen, esheißt: |FranzösischeMora- listen:Larochefoucauld,Rivarol,Chamfortunddergleichen.DieLeute redenda immerüber „dieTugend“.Mirkommtdas sovor, als säheeiner dieDingenichtmehr,die ihnumgeben, sondernnurAbstraktionen.Was ist „dieTugend“?Dasgibt esgarnicht. Sondern jederFall,wo jemand Tugendhatte, ist einganzandreralsalleandernFälle.Esgibt immernur Einzelnes, das ist niemals wie alle andern Fälle, und mein Fall ist der, dass er für mich sehr traurig ist. Verallgemeinern lässt sich gar nichts, 166
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny Briefe 1938-1945
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Titel
Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Untertitel
Briefe 1938-1945
Autor
Christopher Dietz
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2013
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78887-4
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
468
Kategorien
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