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3 Briefe
ichnoch8000.Das ist ganzgut, ichhabeauchnochGuthabenbeider
UfaundderTerra, sodass ichwenigstenskeineGeldsorgenhabe.
Heutehabe ichanSedlakeinenBezugscheinfüreine|Blusegeschickt.
Bitte ruf ihnanundsag ihm,er soll siemir sehr raschmachen.
Im Oktoberheft der Neuen Rundschau soll Silverstolpes Brief und
der Traum vom Welt-Ende abgedruckt werden. Ich habe gestern die
Korrekturengelesen.MitSuhrkamphabe icheinmalabendsgegessen,
– gestern mit Buchholz. Mir ist sehr langweilig und ich fühle mich
überhaupt gar nicht „dans mon assiette“. Ich fange sogar zu lesen an.
Suhrkamphatmir einpaarBüchergeschickt. Ich leseaufderFahrtnach
Ruhlebenund inmeinemZimmer.
Ich lese auch Deine Briefe viele Male, mein Hase. Mir ist, als sei alles,
wasmir liebund teuer ist, sehr ferne.AufderWelt könnendie traurigen
Sachen viel trauriger sein als die fröhlichen. Mir ist so unangenehm, ich
sitze oft da und zähle die Minuten. Ich habe schon oft Zeiten in meinem
Leben gehabt, welche mir so unangenehm gewesen sind. Eigentlich
müßte ich sie | schon gewohnt sein. Aber, es ist merkwürdig, ich bin
sie nicht gewohnt. Vielleicht waren es doch nur wenige solche Zeiten.
Oder,wenneseinemwiedergutgeht, vergisstmansieundmüßte sich
eigentlich immerwiederneugewöhnen.Dabei ist’sdasMerkwürdige:es
geht mir doch eigentlich gar nicht so schlecht. Es geht mir nur so contre
cœur.Mankönntedaraus schließen,dass ichwirklichetwasandres zu
tun hätte und dass es gelingen müßte, es zu tun. Aber es will immer
wieder scheinen, als solle esnichtgelingen.Duhastganz recht,wenn
Dusagst:unserAufwand,dasSchicksal abzuwehren,nehmeunsmehr
von uns selber, als das Schicksal uns nimmt. Dies aber ist eben die
abscheuliche Situation: wenn man in sie nicht passt, so ist selbst das
gute, das sie enthält, nicht aus ihr zu holen. Mit kommt alles so vor, wie
dasungarischeLied:Der traurigeSonntag,beidemsich sovieleLeute
erschossenhabensollen, sodass es schließlichverbotenwerdenmußte.
Suhrkamphatmir einBuchgeliehen, esheißt: |FranzösischeMora-
listen:Larochefoucauld,Rivarol,Chamfortunddergleichen.DieLeute
redenda immerüber „dieTugend“.Mirkommtdas sovor, als säheeiner
dieDingenichtmehr,die ihnumgeben, sondernnurAbstraktionen.Was
ist „dieTugend“?Dasgibt esgarnicht. Sondern jederFall,wo jemand
Tugendhatte, ist einganzandreralsalleandernFälle.Esgibt immernur
Einzelnes, das ist niemals wie alle andern Fälle, und mein Fall ist der,
dass er für mich sehr traurig ist. Verallgemeinern lässt sich gar nichts,
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Title
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Subtitle
- Briefe 1938-1945
- Author
- Christopher Dietz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 468
- Categories
- Weiteres Belletristik