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lässt sich drei Jahrzehnte später in seinem Buch Der wahre Werther
(Wien–Hamburg:PaulZsolnayVerlag1959)nachlesen.ALHbezichtigt
Werther darin „der Unfähigkeit zum ‚wirklichen‘ Leben (das wohl die
körperliche Befriedigung impliziert), so daß der Suizid nicht als Ent-
grenzung, sondern als Indiz der Lebensschwäche und als mißglückte
Flucht gedeutet wird“ (Bernd Hamacher: „Der unvermeidliche Goethe“:
AlexanderLernet-Holenias „DerwahreWerther“ imKontextderneueren
„Werther“-Rezeption. In: Thomas Eicher/Bettina Gruber [Hrsg.]: Ale-
xander Lernet-Holenia. Poesie auf dem Boulevard. Köln–Weimar–Wien:
Böhlau 1999, S. 65–81, hier S.67f.). Ähnliches findet sich auch in ALHs
Gedicht „Am Grabe Werthers“: „Der du nicht leben konntest, ohne zu
sterben,Fremdling[/] imDasein! [...]“ (A.Lernet-Holenia:Das lyrische
Gesamtwerk, S.420f. [BandDieTrophae, ZyklusDieTitanen]).
finanziellenKlemme]DergenaueAnlass istnichtermittelbar;eswurde
jedochdaraufhingewiesen,dassALH„Zeit seinesLebens[...]unterder
Zwangsvorstellung[litt], ineinemkontinuierlichenundunaufhaltsamen
Abstiegbegriffenzu sein“ (Rocˇek:DieneunLeben, S.25).
dieSachenmitO. ]OlgaLeitner.
in Wien keine Wohnung mehr ] ALH hatte im Oktober 1932 als Un-
termieter eines Herrn Dr. Paul Thorsek eine Zweizimmerwohnung in
der Argentinierstraße 4 (Wien IV.) bezogen, die er, als der Hauptmieter
nachdem„Anschluss“Österreichverließ,wiederverlor (siehedazuebd.,
S.180).
Max ] Max Fellerer (1889–1957), Architekt, Mitarbeiter von Josef
Hoffmann (1870–1956) und Clemens Holzmeister (1886–1983), 1934–
1938LeiterderFachklasseArchitekturanderAkademiederBildenden
KünsteWienundDirektorderKunstgewerbeschule,1938vondenNatio-
nalsozialistena.D.gestellt, „bedeutenderVertreter einerunprätentiösen,
antimonumentalenModerne“ (IrisMeder:WerwarMaxFellerer? In:Die
Presse [Spectrum], 12. Sep. 2009, S.XIII). F., der mit seiner Lebensge-
fährtin, der Bühnenbildnerin Erni Kniepert (1911–1990), ebenfalls das
Hochhaus in der Herrengasse 6 (heute 6–8) in Wien I. bewohnte, zählte
zumengenFreundeskreisderSwecenysundwaroft gesehenerGast in
Hochrotherd: „Nach 1938 gehörte er mit den Familien seines Bruders
Josef und seines Hochhausnachbarn Milan Dubrovic zum Kreis des Bau-
ernhauses in Hochrotherd, das die emigrierte Anna Freud den Besitzern
desManz-Verlagesverkaufthatte,umesnicht innationalsozialistische
Hände fallenzu lassen.DasHauswurdeeinZentrumvon intellektuellen
Nazigegnern,denendiehorribleZeitundpersönlicheLebensgefahrnicht
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Titel
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Untertitel
- Briefe 1938-1945
- Autor
- Christopher Dietz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.5 cm
- Seiten
- 468
- Kategorien
- Weiteres Belletristik