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6 MariaCharlotteSweceny:VersucheinesPorträts
lieferte Art Lotte Swecenys zu schreiben, derkolloquiale Duktus ihrer
BriefeundKonzepte, ihr sorgloserUmgangmitGrammatikundOrtho-
grafie, kurz: ihre „Stimme in der Schrift“3 vermitteln ein lebendiges Bild
ihrerPerson,vonder–andersals imFalle ihresberühmtenBriefpartners
–keineFilm-oderTon-undnurwenigeBilddokumenteexistieren.
Es ist nichtbekannt, obdie imArchivderFamilieSteinüberlieferten
StückedengesamtenNachlassLotteSwecenysbildenodernureinenTeil
davon, ob in den vergangenen 55 Jahren Bestandteile eines ursprüngli-
chenNachlassesausgeschiedenwurden, verlorengingenetc.Zentrum
desNachlasses, wieer vorgefunden wurde,bildet –auchumfangsmäßig
– das (von dritter Hand?) grob chronologisch geordnete und gebündelte
Konvolut von150anLotteSwecenygerichtetenBriefen(bzw.Postkar-
ten) Alexander Lernet-Holenias. Ergänzt werden diese Quellen durch
einige wichtige Stücke aus dem Besitz von Lottes Nichte Barbara Net-
scher.4 Aufgrund von Lotte Swecenys frühem Tod (1956) gibt es nur
wenigeZeitzeugen,die zubefragenmöglichgewesenwäre.5
DieLiteratur zuLotteSweceny ist schnell überblickt:NebendenEr-
wähnungen6 im Zusammenhang mit Kokoschkas Skandal-Bild Spielende
Kinder7, dasLotteund ihrenBruderWalter zeigt, sindesvorallemdie
rund drei Seiten in der Veruntreuten Geschichte8 Milan Dubrovic’, die
dasöffentlicheBildLotteSwecenys (und jenes ihrerFamilie)bisheute
bestimmen. Dubrovic schrieb knapp dreißig Jahre nach deren Tod über
seine „künstlerischund literarisch interessierte[]“FreundinLotte:
IhrVater [RichardStein,C.D.],derdasVerlagshausManzzueinem
Zentrum für wissenschaftliche Publikationen aufbaute, zählte zu
jenerhochkultiviertenSchichtdesassimilierten jüdischenBürger-
tums,die sich in ihrerFortschrittsfreudigkeit fürneue Impulse in
3 Fetz:ZumStatusbiographischerQuellen,S.145.
4 Darunter etwa Lottes „Kleiner Abstammungsnachweis“, einige Fotos sowie Briefe Lottes
an ihrenBruderWalterStein.
5 ZweiwesentlicheZeitzeugen,dieGeschwisterBarbara (JulianeMariaCharlotte)Net-
scherundMarkus (FranzFlorian)Stein, griffen invielen ihrerDarstellungenauferin-
nerteAussagen ihrerElternWalterundLianeSteinzurück.
6 EtwabeiTobiasNatter (Hrsg.):OskarKokoschka.DasmoderneBildnis1909bis1914. Im
AuftragderNeuenGalerieNewYorkherausgegebenvonTobiasG.Natter. Köln:Dumont
2002; Werner J.Schweiger:Der jungeKokoschka. LebenundWerk1904–1914.Wien–
München:EditionChristianBrandstätter1983; JohannWinkler/KatharinaErling:Oskar
Kokoschka.DieGemälde1906–1929. Salzburg:VerlagGalerieWelz1995.
7 Vgl. dazuS.383.
8 Dubrovic: VeruntreuteGeschichte, S.262–264.
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Titel
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Untertitel
- Briefe 1938-1945
- Autor
- Christopher Dietz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.5 cm
- Seiten
- 468
- Kategorien
- Weiteres Belletristik