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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny - Briefe 1938-1945
Seite - 345 -
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6.2 „DergeboreneVerleger“:MarkusStein,derGroßvater vor allem Wirtschafts- und Rechtswissenschaftler – ging im Haus derElternausundein.37 Der„Ausgleich“von1867hattenichtnurdie„Doppelmonarchie“Österreich- Ungarn geschaffen, sondern auch den Beginn der Emanzipation der Judenmarkiert: Sieerhielten, zumindestde lege, diegleichenBürger-, politischen und religiösen Rechte wie alle übrigen Bürger der Monar- chie.38 Marsha Rozenblit hat die demografischen Folgen der jüdischen Land- fluchtminutiösherausgearbeitet: „DieVerstädterungbildetdenspringen- denPunktderdemographischenVeränderungder jüdischenBevölkerung der Doppelmonarchie im ausgehenden neunzehnten Jahrhundert.“39 1910lebtenbereits23,3%allerösterreichischenJudenindenzehngröß- tenStädtenderMonarchie;1910 lebten13%allein inWien(1857, zu Beginn der ersten Zuwanderungswelle, war es nur ein 1% gewesen).40 Ein großer Teil der Zuwanderer (Juden wie Nichtjuden) stammten ausBöhmenundMähren(30%allerWienerund50%allerZuwande- rer)41, ja 70% der Böhmen in Wien (einschließlich Juden) stammten aus Südböhmen42, der Heimat Markus Steins. Die Beweggründe für dieAbwanderungwarenvielfältig:Häufigwarenesderwirtschaftliche Niedergang in den Herkunftsgebieten und antijüdische Boykottmaßnah- mendesdortigenMittelstands43; fürböhmischeundmährischeJuden trat die antideutsche (Juden wurden meist als prodeutsch eingestuft) Stimmung des tschechischen Bürgertums hinzu, die etwa in Prag häufig zuAusschreitungengegendie jüdischeBevölkerung führte. DenmeistenneuenWienernwargemein,dasssiesichvonderAufgabe ihresaltenLebenseinneues, besseres versprachen: Wie auch alle übrigen Zuwanderer kamen Juden aus einer Vielzahl positiver und negativer wirtschaftlicher, politischer und psycho- 37 Brezinka: ErwinStein, S.16f. 38 „Entscheidend für die Gleichberechtigung der Juden in Österreich war der Artikel 2 des Staatsgrundgesetzes – es waren nur sieben Worte, um die Jahrzehnte lang gerungen wordenwar: ‚Artikel2.VordemGesetze sindalleStaatsbürgergleich.‘“ (Staudacher: Jüdisch-protestantischeKonvertiten inWien1782–1914.Teil2, S.62).Vondergehobenen Bürokratie, vondenFührungsetagenderArmeeundvomdiplomatischenDienstblieben sie freilichweiterhinausgeschlossen. 39 Rozenblit: Die JudenWiens1867–1914, S.23. 40 Ebd. 41 Ebd., S.26. 42 Ebd., S.33.EinViertel derWiener Judenheitwar inBöhmenundMährengeboren. 43 Ebd., S.39. 345
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny Briefe 1938-1945
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Titel
Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Untertitel
Briefe 1938-1945
Autor
Christopher Dietz
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2013
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78887-4
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
468
Kategorien
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