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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny - Briefe 1938-1945
Seite - 348 -
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6 MariaCharlotteSweceny:VersucheinesPorträts annahm, sondern – wie ca. ein Viertel – den evangelischen.53 Es mögen beiderWahlderKonfessionaberauchgrundsätzlichereBeweggründe ein Rolle gespielt haben: „Im zivilgesellschaftlichen Bereich war der Pro- testantismuseineArt ‚säkularisierteSchutzmantelmadonna‘ fürpolitisch Verfolgte,Geschiedene,AusgegrenzteallerArtundfüremanzipatorische Strömungen.“54 Die Konversion – einSchritt, derdem Konvertitendie Kritik sowohl der Zionisten als auch die der deutschen Nationalisten einbrachte – war jedenfalls in ihrerBedeutung für dieSelbstwahrnehmungder „Übertre- tenden“nicht zuüberschätzen: Indem er bewußt und tatkräftig das Judentum ablehnte, brach der Konvertit – jedenfalls seiner Meinung nach – mit dem jüdischen Volk, seinenErinnerungenundHoffnungen.Der jüdischeAbtrün- nigeerwartete,durchVerleugnendes JudentumsundAnnehmen des Christentums ein voll akzeptiertes Mitglied der Mehrheit zu werden. ImallgemeinenwardieseErwartung realistisch [...] bis rassischerAntisemitismus ein fast unüberwindlichesHindernis für die jüdischeAssimilation schuf.55 Rozenblit nennt denn auch als Motive der Konversion die Sicherung des beruflichenErfolgsunddenWunschnachvollständigerAssimilation. Aus der Tatsache, dass die meisten Konvertiten [so auch Richard Stein, C.D.] jung und ledig waren, daher in einer Lage, schwer- wiegende Entscheidungen bezüglich Karriere und Leben zu treffen, schlossenBeobachter,daßJudenzumTaufbeckenschritten,umihre Karriere voranzutreiben, Nichtjuden zu heiraten und ihre Identität als Judenzuverlieren.56 53 Rozenblit: Die Juden Wiens 1867–1914, S.142. Das verbleibende Viertel zog die Konfes- sionslosigkeit vor. 54 Monika Salzer/Peter Karner: Vom Christbaum zur Ringstraße. Evangelisches Wien. 2., verb.Aufl.Wien:PicusVerlag2009,S.15. 55 Rozenblit:Die JudenWiens1867–1914, S.133.Berühmte jüdischeKonvertitenwaren z.B.GustavMahler,ArnoldSchönberg,KarlKraus,OttoWeiningerundViktorAdler. 56 Ebd., S.138.Mitunter ist sogarvon„Konversionsdruck“dieRede: „DerAssimilations- bzw.Konversionsdruckaufdie jüdischeBevölkerung intensivierte sich folglichmassiv, so dass in Wien zwischen 1868 und 1903 mehr als 9.000 Übertritte zum christlichen Glauben – und damit mehr als in jeder anderen Stadt der Monarchie – stattfanden“ (Ilse Reiter-Zatloukal: Die österreichische Rechtsanwaltschaft 1918 bis 1938. In: Verein zur Erforschung der anwaltlichen Berufsgeschichte der zwischen 1938 und 1945 dis- 348
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny Briefe 1938-1945
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Titel
Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Untertitel
Briefe 1938-1945
Autor
Christopher Dietz
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2013
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78887-4
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
468
Kategorien
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