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6 MariaCharlotteSweceny:VersucheinesPorträts
annahm, sondern – wie ca. ein Viertel – den evangelischen.53 Es mögen
beiderWahlderKonfessionaberauchgrundsätzlichereBeweggründe
ein Rolle gespielt haben: „Im zivilgesellschaftlichen Bereich war der Pro-
testantismuseineArt ‚säkularisierteSchutzmantelmadonna‘ fürpolitisch
Verfolgte,Geschiedene,AusgegrenzteallerArtundfüremanzipatorische
Strömungen.“54
Die Konversion – einSchritt, derdem Konvertitendie Kritik sowohl der
Zionisten als auch die der deutschen Nationalisten einbrachte – war
jedenfalls in ihrerBedeutung für dieSelbstwahrnehmungder „Übertre-
tenden“nicht zuüberschätzen:
Indem er bewußt und tatkräftig das Judentum ablehnte, brach der
Konvertit – jedenfalls seiner Meinung nach – mit dem jüdischen
Volk, seinenErinnerungenundHoffnungen.Der jüdischeAbtrün-
nigeerwartete,durchVerleugnendes JudentumsundAnnehmen
des Christentums ein voll akzeptiertes Mitglied der Mehrheit zu
werden. ImallgemeinenwardieseErwartung realistisch [...] bis
rassischerAntisemitismus ein fast unüberwindlichesHindernis für
die jüdischeAssimilation schuf.55
Rozenblit nennt denn auch als Motive der Konversion die Sicherung des
beruflichenErfolgsunddenWunschnachvollständigerAssimilation.
Aus der Tatsache, dass die meisten Konvertiten [so auch Richard
Stein, C.D.] jung und ledig waren, daher in einer Lage, schwer-
wiegende Entscheidungen bezüglich Karriere und Leben zu treffen,
schlossenBeobachter,daßJudenzumTaufbeckenschritten,umihre
Karriere voranzutreiben, Nichtjuden zu heiraten und ihre Identität
als Judenzuverlieren.56
53 Rozenblit: Die Juden Wiens 1867–1914, S.142. Das verbleibende Viertel zog die Konfes-
sionslosigkeit vor.
54 Monika Salzer/Peter Karner: Vom Christbaum zur Ringstraße. Evangelisches Wien. 2.,
verb.Aufl.Wien:PicusVerlag2009,S.15.
55 Rozenblit:Die JudenWiens1867–1914, S.133.Berühmte jüdischeKonvertitenwaren
z.B.GustavMahler,ArnoldSchönberg,KarlKraus,OttoWeiningerundViktorAdler.
56 Ebd., S.138.Mitunter ist sogarvon„Konversionsdruck“dieRede: „DerAssimilations-
bzw.Konversionsdruckaufdie jüdischeBevölkerung intensivierte sich folglichmassiv,
so dass in Wien zwischen 1868 und 1903 mehr als 9.000 Übertritte zum christlichen
Glauben – und damit mehr als in jeder anderen Stadt der Monarchie – stattfanden“
(Ilse Reiter-Zatloukal: Die österreichische Rechtsanwaltschaft 1918 bis 1938. In: Verein
zur Erforschung der anwaltlichen Berufsgeschichte der zwischen 1938 und 1945 dis-
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Title
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Subtitle
- Briefe 1938-1945
- Author
- Christopher Dietz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 468
- Categories
- Weiteres Belletristik