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6.3 „RastlosePflichterfüllung“:RichardStein,derVater
6.3 „RastlosePflichterfüllung“:RichardStein,der
Vater
6.3.1 Dragoner, JuristundGeschäftsmann
ManhatRichardSteinalsden„Nüchternen“,den„Praktiker“beschrie-
ben, der, im Schatten seines kunstsinnigen Vaters stehend, sich mit
diesem bestens und zum Wohl der Firma ergänzt habe.84 Tatsächlich
führte Richard die Geschäfte immer gemeinsam mit dem Seniorchef
MarkusStein–bis zu seinemfrühenTod:Richard starbam6.Oktober
1932, rundzweieinhalb Jahrevor seinemVater.
Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass Richard Stein großen Wert
darauf legte,dieAssimilationsbestrebungenseinesVatersweiterzufüh-
ren, ja zu vollenden. Der junge Mann nahm zum frühestmöglichen
Zeitpunkt den evangelischen Glauben an, besuchte in Wien das re-
nommierte „Akademische Gymnasium“85 und schlug nach Absolvierung
der Matura die militärische Laufbahn ein; ein Schritt, der für Juden
– gerade auch im durch die berüchtigte Dreyfus-Affäre verschärften
Klimadesausgehenden19. Jahrhunderts –meistmit zusätzlichenan-
tisemitischen Anfeindungen verbunden war.86 Richard Stein trat als
84 SieheMumelter: DieGeschichtedesVerlagshausesManz, S.158.
85 „Das bevorzugte Gymnasium der aufgeklärten Liberalen – und der Juden – war das
AkademischeGymnasium“(CarlE.Schorske:Wien.GeistundGesellschaft imFinde siècle.
München–Zürich:Piper1994,S.128).
86 ArthurSchnitzlerhat in seinerAutobiografiedasSchimpfwort „Mosesdragonertum“,mit
dem etwa junge Militärärztehäufig konfrontiertwaren, überliefert (Arthur Schnitzler:
Jugend inWien. Frankfurt amMain:Fischer1994,S.137,145).Eine „‚reinlicheSchei-
dung‘ zwischen christlichen und jüdischen [...] Elementen“ habe, so Schnitzler, selbst
jüdischerMilitäreleve, „beinaheinallenFreiwilligenabteilungen“gegolten(ebd.,S.155).
Seine Erfahrungen mit dem Antisemitismus in der k.u.k. Armee ließ Schnitzler in seine
berühmte Novelle Leutnant Gustl (1900) einfließen. Der darauf folgende Skandal hatte
bekanntlichdieDegradierungdesOffiziersSchnitzler zumgemeinenSanitätssoldaten
zurFolge.Schnitzlerwar imÜbrigenmitRichardSteinbekannt: „[22.Nov.1920]Zu
TischHotel ImperialmitMarcelDunan,Dr.Stein(ManzVerlag),Hr.Goldschmidt(Gilho-
fer und Ranschburg). Handelte es sich um eine Bibl. – franc.-autrich., die ich entweder
mit Novellen oder Dramen eröffnen soll. Mit Dr. Stein, den ich erst vor seinem Büro
als die Hauptperson agnoscirte, durch die Stadt fort. –“ (ders.: Tagebuch 1920–1922.
Wien:VerlagderÖsterreichischenAkademiederWissenschaften1993,S.109–Dank
an Gerhard Strejcek für diesen Hinweis). 1920 rief Richard Stein die Collection Manz, in
der französische Klassiker des 18. und 19. Jahrhunderts für den französischen Markt (!)
neuaufgelegtwurden, insLeben(vgl. S.361).Möglich,dasses sichbeider zwischen
Stein und Schnitzler besprochenen „Bibliothèque franco-autrichienne“ um eine Vorstufe
dazuhandelte.
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Titel
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Untertitel
- Briefe 1938-1945
- Autor
- Christopher Dietz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.5 cm
- Seiten
- 468
- Kategorien
- Weiteres Belletristik