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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny - Briefe 1938-1945
Seite - 355 -
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6.3 „RastlosePflichterfĂŒllung“:RichardStein,derVater 6.3 „RastlosePflichterfĂŒllung“:RichardStein,der Vater 6.3.1 Dragoner, JuristundGeschĂ€ftsmann ManhatRichardSteinalsden„NĂŒchternen“,den„Praktiker“beschrie- ben, der, im Schatten seines kunstsinnigen Vaters stehend, sich mit diesem bestens und zum Wohl der Firma ergĂ€nzt habe.84 TatsĂ€chlich fĂŒhrte Richard die GeschĂ€fte immer gemeinsam mit dem Seniorchef MarkusStein–bis zu seinemfrĂŒhenTod:Richard starbam6.Oktober 1932, rundzweieinhalb Jahrevor seinemVater. Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass Richard Stein großen Wert darauf legte,dieAssimilationsbestrebungenseinesVatersweiterzufĂŒh- ren, ja zu vollenden. Der junge Mann nahm zum frĂŒhestmöglichen Zeitpunkt den evangelischen Glauben an, besuchte in Wien das re- nommierte „Akademische Gymnasium“85 und schlug nach Absolvierung der Matura die militĂ€rische Laufbahn ein; ein Schritt, der fĂŒr Juden – gerade auch im durch die berĂŒchtigte Dreyfus-AffĂ€re verschĂ€rften Klimadesausgehenden19. Jahrhunderts –meistmit zusĂ€tzlichenan- tisemitischen Anfeindungen verbunden war.86 Richard Stein trat als 84 SieheMumelter: DieGeschichtedesVerlagshausesManz, S.158. 85 „Das bevorzugte Gymnasium der aufgeklĂ€rten Liberalen – und der Juden – war das AkademischeGymnasium“(CarlE.Schorske:Wien.GeistundGesellschaft imFinde siĂšcle. MĂŒnchen–ZĂŒrich:Piper1994,S.128). 86 ArthurSchnitzlerhat in seinerAutobiografiedasSchimpfwort „Mosesdragonertum“,mit dem etwa junge MilitĂ€rĂ€rztehĂ€ufig konfrontiertwaren, ĂŒberliefert (Arthur Schnitzler: Jugend inWien. Frankfurt amMain:Fischer1994,S.137,145).Eine „‚reinlicheSchei- dung‘ zwischen christlichen und jĂŒdischen [...] Elementen“ habe, so Schnitzler, selbst jĂŒdischerMilitĂ€releve, „beinaheinallenFreiwilligenabteilungen“gegolten(ebd.,S.155). Seine Erfahrungen mit dem Antisemitismus in der k.u.k. Armee ließ Schnitzler in seine berĂŒhmte Novelle Leutnant Gustl (1900) einfließen. Der darauf folgende Skandal hatte bekanntlichdieDegradierungdesOffiziersSchnitzler zumgemeinenSanitĂ€tssoldaten zurFolge.Schnitzlerwar imÜbrigenmitRichardSteinbekannt: „[22.Nov.1920]Zu TischHotel ImperialmitMarcelDunan,Dr.Stein(ManzVerlag),Hr.Goldschmidt(Gilho- fer und Ranschburg). Handelte es sich um eine Bibl. – franc.-autrich., die ich entweder mit Novellen oder Dramen eröffnen soll. Mit Dr. Stein, den ich erst vor seinem BĂŒro als die Hauptperson agnoscirte, durch die Stadt fort. –“ (ders.: Tagebuch 1920–1922. Wien:VerlagderÖsterreichischenAkademiederWissenschaften1993,S.109–Dank an Gerhard Strejcek fĂŒr diesen Hinweis). 1920 rief Richard Stein die Collection Manz, in der französische Klassiker des 18. und 19. Jahrhunderts fĂŒr den französischen Markt (!) neuaufgelegtwurden, insLeben(vgl. S.361).Möglich,dasses sichbeider zwischen Stein und Schnitzler besprochenen „BibliothĂšque franco-autrichienne“ um eine Vorstufe dazuhandelte. 355
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny Briefe 1938-1945
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Titel
Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Untertitel
Briefe 1938-1945
Autor
Christopher Dietz
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2013
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78887-4
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
468
Kategorien
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