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6 MariaCharlotteSweceny:VersucheinesPorträts
„Einjährig-Freiwilliger“87 in das noble Böhmische Dragoner-Regiment
Nr.13 „Eugen Prinz von Savoyen“ ein, ein Kavallerie-Regiment, zu dem
in der Regel nur die Söhne adliger und vermögender Häuser Zutritt hat-
ten; schonalleindeshalb,weil eseinPferd(odermehrere)anzuschaffen
undzuerhaltengalt, auĂźerdemeinenBurschen.
Es folgteab1890dasStudiumderRechteanderWienerUniversität,88
ausdemRichardSteinals „ausgezeichneter JuristdurchNeigungund
natürlicheBegabung“89 hervorging.90
6.3.2 EhemitFriedaKlinkhardt
Dafür, dass die akademische Bildung entsprechend ergänzt und für den
Betriebnutzbargemachtwürde, sorgte schließlichnocheinezusätzliche
Lehre als Buchdrucker, die Richard Stein bei Klinkhardt in Leipzig absol-
87 Die Institutioneines „einjährig-freiwilligen“Militärdienstes sollteWehrpflichtigen,die
eineakademischeLaufbahnanstrebten,dienormalerweisedreijährigePräsenzdienstzeit
verkürzen. „Einjährig-Freiwillige“,die inderRegeldiebestandeneMaturavorweisen
mussten, rĂĽckten nach Ableistung ihres Wehrdiensts in den Rang eines Leutnants in
Reserveaufundverpflichteten sichzurTeilnahmeansechs-bis achtwöchigenWaffen-
übungen einmal jährlich (vgl. Alfonsvon Wrede: Geschichte derk.u.k.Wehrmacht. Die
Regimenter, Corps, Branchen und Anstalten von 1618 bis Ende des 19. Jahrhunderts [3
Bände]. Bd.1.Wien:L.W.SeidelundSohn1898ff. S.91f.).
88 Vgl. Ch. Gruber/J. Mentschl: Eintrag „Stein Richard, Verleger“. In: Österreichisches
BiographischesLexikon1815–1950.Bd.13(60.Lieferung:Staudigl–Stich[2008]).Wien:
ÖsterreichischeAkademiederWissenschaften2003–2009,S.153–154,hierS.155.
89 R. Hermann: Nachruf auf Dr. Richard Stein (Kopie im SteinFA). In: Gerichts-Zeitung [?]
o.D. [1932]. Im SteinFA ist Richards „Rigorosen-Zeugnis der Juristischen Fakultät vom
11.11.1896überdiePrüfungam6.11.1896“,Note „Ausgezeichnet“, erhalten.
90 „Die Hochschulbildung“, schreibt Rozenblit, „dünkte den Juden ein Weg, bei Nichtjuden
vielleicht leichterundbesserAkzeptanzzufindenals inderWeltdesGeschäftslebens“
(Rozenblit:Die JudenWiens1867–1914, S.117).DazuStefanZweig, ausdessenWelt
vonGestern auchRozenblit zitiert: „Abernurdie sogenannteakademischeBildung,die
zurUniversität führte, verlieh in jenenZeitendesaufgeklärtenLiberalismusvollenWert;
darumgehörtees zumEhrgeiz jedergutenFamilie, daßwenigstenseiner ihrerSöhne
vor dem Namen irgendeinen Doktortitel trug“ (ebd., S.106). In den Jahren 1901–1904
lagderAnteil jüdischerStudentenanderWienerUniversitätbei24%(StevenBeller:
SozialeSchicht,KulturunddieWiener JudenumdieJahrhundertwende. In:Gerhard
Botzu.a. (Hrsg.):Eine zerstörteKultur. Jüdisches LebenundAntisemitismus inWien seit
dem19. Jahrhundert. 2., neubearb.underw.Aufl.Wien:CzerninVerlag2002,S.67–83,
hier S.43). „In Österreich“, schreibt Carl E. Schorske in seinem Standardwerk, „wo die
höhere Bildung von der liberalen städtischen Mittelschicht so stark als Statussymbol
geschätzt wurde, teilten die Juden dieser Schicht lediglich die geltenden Werte oder
achteten sie vielleicht noch höher, da der Makel des Händlertums ihr Leben tiefer
eingefärbthatte“ (Schorske: Wien.Geist undGesellschaft imFinde siècle, S.140).
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Titel
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Untertitel
- Briefe 1938-1945
- Autor
- Christopher Dietz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.5 cm
- Seiten
- 468
- Kategorien
- Weiteres Belletristik