Seite - 358 - in Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny - Briefe 1938-1945
Bild der Seite - 358 -
Text der Seite - 358 -
6 MariaCharlotteSweceny:VersucheinesPorträts
vorging.96 RichardStein legitimiertedieVerbindungam28.Mai1922.97
Trauzeuge war neben einem Verwaltungsrat namens Joseph Kraus –
der als Jurist wohl eher vonseiten des Bräutigams in die Zeremonie
eingebracht wurde – der Hofschauspieler und Regisseur Otto Tressler
(eigentlich Otto Mayer, 1871–1965),98 wohl ein Freund der Familie
Newlinsky.99 VaterMariavonNewlinskyswarderehemaligeBotschafter,
Journalist, Zionist und Herzl-Mitarbeiter Philipp Michael von Newlinsky
(1841–1899).100
DieSphäre,derMariaLuisevonNewlinskyentstammte,mag fürRi-
chard Stein, „der eine gewisse Vorliebe für einen möglichst bunten Kreis
hatte, indemauchdieKunstundTheaterweltnicht fehlen sollten“,101
einen erstrebenswerten Kontrast zur kaufmännisch-bürgerlichen Her-
kunft seiner ersten Frau Frieda gebildet haben. Unter seinen Kindern
brachte ihm diese zweite Ehe mitunter Kritik ein; auch Vater Markus,
der sichderFamilieKlinkhardtausbegreiflichenGründenverpflichtet
fühlte,warvonder illegitimenVerbindung,demunehelichenEnkelOtto
undschließlichderScheidungseinesSohnesvonFriedaKlinkhardtnicht
ebenangetan.
96 Da die Mutter römisch-katholischen Glaubens war, wurde der gemeinsame Sohn am
29. Oktober 1919 ebenfalls römisch-katholisch getauft (Röm.-kath. Pfarramt St. Joseph:
Geburts-undTaufscheinOttoStein,1919/49/140[SteinFA].WienV.29.Okt. 1919).
97 Trauungsschein Dr. Richard Stein/Maria Luise von Newlinsky, Evang. H.B. 1922/49/94
(SteinFA). 28. Mai 1922. Auch für Maria Luise von Newlinsky war es die zweite Ehe:
Siewarzuvormit einemHerrnReizes verheiratet gewesen(ebd.).
98 TrauungsscheinevangH.B.1922/49/94,SteinFA.TresslersKarriere solltenocheinige
Glanzlichter aufzuweisen haben:Unter anderemspielte er denFeldmarschallRadetzky
in Ernst Marischkas „Sissi“-Filmen der 1950er-Jahre, aber auchRollen in Verfilmungen
von Büchern Lernet-Holenias (u.a. den Grafen Lubenski in Abenteuer eines jungen Herrn
in Polen und den Richter in Maresi). Möglich, dass Tressler dem Paar auch bei der
Namensgebung für den gemeinsamen Sohn Otto Pate gestanden hatte. Am Burgtheater
spielteTressler insgesamt383Rollen; ergalt als einerder souveränsten „Schwimmer“
(Textvergesser) des Hauses (AEIOU Österreich-Lexikon. URL: http://austria-lexikon.at/
af/AEIOU, Eintrag „Tressler, Otto“, abgerufen am 19. Februar 2011). Tressler bewohnte
inden 1930er-Jahreneine Garçonnière im Herrengassen-Hochhaus,woauch Richards
KinderWalterundLotteSteinmit ihrenFamilien lebten.
99 EinMichaelvonNewlinsky(1891–1964),vielleichtMariasBruder, spielte inden1930er-
JahrengemeinsammitTressler inErichEngels GefährlichesSpiel (1937).
100 Zu Newlinsky vgl. Martha Keil: Eintrag „Newlinski, Philipp Michael von“. In: Neue
DeutscheBiographie19(1998),S.194. URL:www.deutsche-biographie.de/pnd13823
2547.html. LautLehmann’sAllgemeinerWohnungs-AnzeigerwarNewlinskyaußerdem
Herausgeberder Correspondancede l’Est sowieTräger zahlreicherAuszeichnungen.
101 UrteilCg 1178/21 desLandesgerichts Wien, zitiert nachMumelter: DieGeschichte des
VerlagshausesManz, S.156FN423.
358
Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Titel
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Untertitel
- Briefe 1938-1945
- Autor
- Christopher Dietz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.5 cm
- Seiten
- 468
- Kategorien
- Weiteres Belletristik