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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny - Briefe 1938-1945
Seite - 388 -
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6 MariaCharlotteSweceny:VersucheinesPorträts dest vorerst – keine Übergriffe zu befürchten, die über diejenigen auf ihr Eigentum hinausgingen.249 Mit fortschreitendem Krieg und im Zuge des Näherrückens der „Endlösung“ lebten jedoch „Mischlinge in der ständigenGefahr, etwasUnpassendeszu tunoder zu sagen.EinMisch- ling 1. Grades mußte stets darauf achten, daß nicht eine übereifrige Parteistelle von ihm meldenkonnte, erbenehme sichwie ein ‚Volljude‘. Ein solcher Vorwurf konnte ihn das Leben kosten.“250 – Vielleicht ist Lotte Swecenys fehlende „offizielle“ Berufstätigkeit auch vor diesem Hintergrund zu sehen.251 Als „Private“ – die freilich in den Jahren ihrer Beziehung zu Alexander Lernet-Holenia de facto den Status einer Pri- vatsekretärin hatte – stand sie weniger im Zentrum der behördlichen Aufmerksamkeit.252 Aufschlussreich fürLotteSwecenysSelbstverständnis indiesenJah- ren ist ein Briefkonzept an unbekannt, das wohl auf die Zeit um den „Anschluss“herumdatiertwerdenkann: IchmöchtedieBeziehungdiezwischenunsbesteht lösen.Anlaßda- zu ist im Moment die pol[itische]. Lage, die Schwierigkeiten in Dir, und die sind mir wichtig, bringen können, denen Du nicht gewach- senbist. IchmöchteDirumDirkein falschesBildzuhinterlassen abernocheinmalmeinenStandpunktdessenichmichnichtzuschä- men brauche klar zu [sic!] machen. Ich verfalle nicht in den Fehler imN[ational].S[ozialimus].nurdenAntisemit[ismus]. zu sehen. Er ist vielwesentlichereinGlaubeanein Idealdas ichnicht teile, und von dem ich für die Menschheit nichts gutes erwarte. [...] Ein ehrlicher Glaube ist aber schon an sich erfreulich wenn ich auch alsKonsequenzdiesesnurGewaltundUnglück sehenkann. [...] Ich erkläre feierlich ich bin keine Jüdin u. fühle mich auch nicht so. 249 Gleichwohl forderten Parteikreise seit Ende 1941, „Mischlinge 1. Grades“ mit Juden gleichzusetzenundalsoder „Endlösung“zuzuführenbzw. sie zwangszusterilisieren(vgl. Hilberg: Die Vernichtungder europäischen Juden, S.437ff.). „[...] alsTräger ‚jüdischen Blutes‘ und jüdischerMerkmale inmittenderdeutschenVolksgemeinschaftwarensie der lebendigeBeweis einerunvollendetenAufgabe.MitdieserArtderDurchdringung desdeutschenVolkskörperswurdediedeutscheBürokratienicht fertig;dieMischlinge überlebten“ (ebd., S.445). 250 Ebd., S.445. 251 Auf ihrem „Kleinen Abstammungsnachweis“ gibt sie 1939 als Beruf „Haushalt“ an (NSDAP Gau Wien: „Kleiner“ Abstammungsnachweis Sveceny [sic!] Maria Charlotte, Zahl71701[BesitzBarbaraNetscher,Ronneburg].Wien.3.Nov.1939). 252 Seit1934scheintLotteSweceny inLehmann’sAllgemeinerWohnungs-Anzeiger nament- lich überhaupt nicht auf; in den Jahren davor war sie bei ihrem Mann Otto C. Sweceny mitgemeldet gewesen. Im Nachfolge-Werk, dem Adressbuch von Wien, ist sie nach dem ZweitenWeltkriegwiederunterderAdresseHerrengasse6–8verzeichnet. 388
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny Briefe 1938-1945
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Titel
Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Untertitel
Briefe 1938-1945
Autor
Christopher Dietz
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2013
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78887-4
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
468
Kategorien
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