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Algorithmuskulturen - Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
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Oliver Leistert226 medien und die figur des Piraten Sogenannte Medienpiraterie ist kein temporäres, sondern ein dauerhaftes Phänomen, und es ist weder neu, noch eine Anomalie kapitalistischer Unter- nehmungen. Lediglich durch den Übergang von Gutenbergs zu Turings Me- dienregime, sprich von Druckerzeugnissen zu digitalen Formaten, wurde das Thema in den letzten Dekaden prominent und umstritten diskutiert. Das alltägliche, massenhafte, halb- oder vollautomatische Kopieren und Ver- teilen von Software, Büchern, Musik und Filmen, on- und offline, hat enor- men Druck auf die Copyright-Regime ausgeübt, die noch aus analogen Zei- ten stammen, und somit aus einer teils vergangenen Phase kapitalistischer Akkumulation. Deren Konsolidierung und Institutionalisierung – in ihrer emblematischsten und zugleich symptomatischsten Form in der Gründung der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) im Jahre 1970 – verläuft parallel zu zwei historisch herausragenden Phasen: zum offiziellen Ende der Kolonialzeit als politisches Regime, was zur Entstehung diverser neuer Nationalstaaten geführt hat, die begannen ihre eigene Agenda zu verfolgen, sowie zur vernetzten Vereinheitlichung von Märkten zu einem ›Weltmarkt‹, der von der USA, Westeuropa und Japan formiert und geführt wird. Hegemo- nieansprüche und -durchsetzungen im Bereich des sogenannten ›geistigen Eigentums‹ sind seitdem zu Machtformation geronnen, die die ›entwickel- ten‹ Staaten anderen aufzwingen. Noch im 19. Jahrhundert jedoch waren die Verhältnisse anderes verteilt, da damals die USA mit der industriellen Entwicklung in Europa noch nicht gleichgezogen hatten. Um diese Ziel zu erreichen, war es eine gewöhnliche Praxis der US-amerikanischen Industrie, europäische Patente und andere Copyright-Ansprüche zu kopieren, und damit zu verletzen (Ben-Atar 2004). Heute sind es vor allem die USA, die versuchen sich gegen Staaten zu schüt- zen, die ihrerseits mit solchen Verletzungen arbeiten, um ihre Industrie auf Weltstandard zu bringen, z.B. China oder Indien. Dies zeigt, wie natürlich der Prozess der Piraterie historisch in den kapitalistischen Entwicklungen zu sehen ist, da jede »Analyse von Piraterie die Grenzlinien und (Il)legitimitäten eines bestimmten Machtregimes anzeigt« (Zehle and Rossiter 2014: 345). Die fortbestehende Dringlichkeit, Lösungen zu finden, die den Zugang zu Information und Wissen regeln, drückt sich durch die vielen sehr lebendi- gen Debatten zu den Gemeingütern (Commons) aus (Linebaugh 2013), sowie der wachsenden Zahl alternativer Copyright Regime, wie die Creative Com- mons (Lessig 2002), oder die viralen Software Lizenzen, wie z.B. die GNU- Lizenzen. Es geht dabei weiterhin darum, eine Balance zu finden zwischen dem Recht auf Zugang zu Information und Wissen, und den Interessen der inzwischen nicht mehr allmächtigen Urheberrechtsverwaltungen, wie der
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Algorithmuskulturen Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Titel
Algorithmuskulturen
Untertitel
Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Autor
Robert Seyfert
Herausgeber
Jonathan Roberge
Verlag
transcript Verlag
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-3800-8
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
242
Schlagwörter
Digitale Kulturen, Medienwissenschaft Kultur, Media studies, Technik, Techniksoziologie, Kultursoziologie, Neue technologien, sociology of technology, new technologies, Algorithmus
Kategorie
Technik
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