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der österreichischenBevölkerung auf rund acht Prozent,was etwa 700.000
Menschenentspricht.WiedieseBevölkerungsgruppewiederumhinsichtlich
ihrerMigrationsgeschichtezusammengesetztist,lässtsichnichtseriösquan-
tifizieren.Wirkönnenaberdavonausgehen,dasseingroßerTeil davoneine
familiäreMigrationsgeschichte aus der Türkei aufweist.Die zweite zahlen-
mäßig starkeGruppesindbosnischeMuslimInnen,die inden 1990er Jahren
vor dem Jugoslawienkrieg nachÖsterreich geflohen sind.Drittens schließ-
lich haben Fluchtbewegungen abden 2000er Jahren die Zusammensetzung
dermuslimischenBevölkerung inÖsterreichweiterverändertundeineauch
medial-öffentlichePräsenzvorallemtschetschenischer,syrischerundafgha-
nischerGeflüchteternachsichgezogen.DieserkurzeAbrissbeanspruchtkei-
neakkuratedemografischeDarstellungdarzubieten,sondernverweistaufdie
Bedingungen,unterdenendiehierpräsentierteVerknüpfungvon›Islam‹und
›Migration‹stattfindet.DiezuBeginnpräsentiertenZitatestehenfüreinekri-
tisch-reflektierteHaltungzueinemvondenBefragtenalsdominantwahrge-
nommenenDimensiondermuslimischenFrage.Sieschienbereitsindenvor-
angegangenenAbschnittendurch,als JournalistInnendenhistorischenWan-
del der Identität der ›Anderen‹ beschrieben: »AmAnfangwarenwirAuslän-
der, dannwarenwir TürkenunddannwarenwirMuslime« (I1f).Hierwird
jedochnicht voneinerhistorischenSequenzgesprochen, sondern voneiner
diskursivenAmalgamierung:DieDiskurselemente›Muslime‹und›Ausländer‹
bildeneineÄquivalenzkette,sieverweisenmetonymischaufeinanderundar-
tikulierensichanhanddesToposMigrationundIntegration.
Was inKapitel 3auf theoretischerEbenealseinzentralesMoment inder
OperationsweisedesantimuslimischenRassismusherausgearbeitetwurde–
die Konstruktion einer abstrakten Figur des/der muslimischen Anderen –
findet sichhier also imAlltagsverstandderbefragten Intellektuellenwieder.
AuchwennsiediesenMechanismuszumindestnichtexplizit inZusammen-
hangmitrassistischerVeranderungverorten,wirddieKonstruktionvonMus-
limInnenals»Andere«problematisiert(G1f),als»dumm«,»oberflächlich«und
»vereinfachend« bezeichnet (H1m) oder als Beispiel dafür angeführt, »dass
JournalistenundJournalistinnensichmeistenswenigdamitauseinanderset-
zen inwelche Fallenman tappenkann,wennmandasnicht sauber trennt«
(J2f).Deutlich häufiger findet sich dieGleichsetzung vonMuslimInnenmit
demThemenkomplexMigrationundIntegrationindenInterviewsjedochals
nichtalleGläubigenzahlenmäßigerfassen),könnendieZahlenseithernurgeschätztwer-
den.
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Titel
- Im Namen der Emanzipation
- Untertitel
- Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Autor
- Benjamin Opratko
- Verlag
- transcript Verlag
- Ort
- Bielefeld
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 366
- Schlagwörter
- Rassismus, Österreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Kategorien
- Weiteres Belletristik