Page - 186 - in Im Namen der Emanzipation - Antimuslimischer Rassismus in Ă–sterreich
Image of the Page - 186 -
Text of the Page - 186 -
186 ImNamenderEmanzipation
der österreichischenBevölkerung auf rund acht Prozent,was etwa 700.000
Menschenentspricht.WiedieseBevölkerungsgruppewiederumhinsichtlich
ihrerMigrationsgeschichtezusammengesetztist,lässtsichnichtseriösquan-
tifizieren.Wirkönnenaberdavonausgehen,dasseingroßerTeil davoneine
familiäreMigrationsgeschichte aus der Türkei aufweist.Die zweite zahlen-
mäßig starkeGruppesindbosnischeMuslimInnen,die inden 1990er Jahren
vor dem Jugoslawienkrieg nachĂ–sterreich geflohen sind.Drittens schlieĂź-
lich haben Fluchtbewegungen abden 2000er Jahren die Zusammensetzung
dermuslimischenBevölkerung inÖsterreichweiterverändertundeineauch
medial-öffentlichePräsenzvorallemtschetschenischer,syrischerundafgha-
nischerGeflĂĽchteternachsichgezogen.DieserkurzeAbrissbeanspruchtkei-
neakkuratedemografischeDarstellungdarzubieten,sondernverweistaufdie
Bedingungen,unterdenendiehierpräsentierteVerknüpfungvon›Islam‹und
›Migration‹stattfindet.DiezuBeginnpräsentiertenZitatestehenfüreinekri-
tisch-reflektierteHaltungzueinemvondenBefragtenalsdominantwahrge-
nommenenDimensiondermuslimischenFrage.Sieschienbereitsindenvor-
angegangenenAbschnittendurch,als JournalistInnendenhistorischenWan-
del der Identität der ›Anderen‹ beschrieben: »AmAnfangwarenwirAuslän-
der, dannwarenwir TürkenunddannwarenwirMuslime« (I1f).Hierwird
jedochnicht voneinerhistorischenSequenzgesprochen, sondern voneiner
diskursivenAmalgamierung:DieDiskurselemente›Muslime‹und›Ausländer‹
bildeneineÄquivalenzkette,sieverweisenmetonymischaufeinanderundar-
tikulierensichanhanddesToposMigrationundIntegration.
Was inKapitel 3auf theoretischerEbenealseinzentralesMoment inder
OperationsweisedesantimuslimischenRassismusherausgearbeitetwurde–
die Konstruktion einer abstrakten Figur des/der muslimischen Anderen –
findet sichhier also imAlltagsverstandderbefragten Intellektuellenwieder.
AuchwennsiediesenMechanismuszumindestnichtexplizit inZusammen-
hangmitrassistischerVeranderungverorten,wirddieKonstruktionvonMus-
limInnenals»Andere«problematisiert(G1f),als»dumm«,»oberflächlich«und
»vereinfachend« bezeichnet (H1m) oder als Beispiel dafür angeführt, »dass
JournalistenundJournalistinnensichmeistenswenigdamitauseinanderset-
zen inwelche Fallenman tappenkann,wennmandasnicht sauber trennt«
(J2f).Deutlich häufiger findet sich dieGleichsetzung vonMuslimInnenmit
demThemenkomplexMigrationundIntegrationindenInterviewsjedochals
nichtalleGläubigenzahlenmäßigerfassen),könnendieZahlenseithernurgeschätztwer-
den.
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Ă–sterreich
- Title
- Im Namen der Emanzipation
- Subtitle
- Antimuslimischer Rassismus in Ă–sterreich
- Author
- Benjamin Opratko
- Publisher
- transcript Verlag
- Location
- Bielefeld
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 366
- Keywords
- Rassismus, Ă–sterreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Categories
- Weiteres Belletristik