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5 »IslamgleichProblem« 187
nichtreflektierte, imAlltagsverstandverankerteArtikulation.Sieäußertsich
imscheinbar selbstverständlichenWechsel derRegister, insbesonderewenn
die Antworten länger ausfallen und in narrative Episoden übergehen. Ob-
wohldieFragensichstetsaufMuslimInnenbzw.denIslambezogen,gleiten
dieAntworten immerwieder indieErörterungverschiedenstergesellschaft-
licherProblemfelder,diemitdemThema›Migration‹ inVerbindunggebracht
werden.EinJournalistantworteteaufdieFrage,welcheRolleseinerMeinung
nachMedienbei derBehandlungdesThemas Islamzukomme:Es seiwich-
tig,dasThemaaufzugreifen,weil esdenLebensrealitäten»ineinemdefacto
multikulturellen LandwieÖsterreich« eben entspreche (B1m). Er illustriert
dieseHaltungwie folgt:
»Ja,wennmandurchdieStraßegehthatmaneinfachverschiedeneKultu-
ren,undichredenichtnurvonRestaurants,weilsozusagenderGrieche,der
Türke,derSerbe–na,derSerbevielleichtnicht,aberder Italiener ist immer
derRestaurantbesitzeroderderGastronom,zudemmangeht.Sondernman
hateinfachimAlltagmit irrsinnigvielenverschiedenenNamenzutun,Na-
mendiemannichtkennt,ja,dasisteinName,wiesprichtmandasjetztaus,
istdas jetzteinMannodereineFrau,weilman’shaltnochnichtkennt,und
dadurchglaube ich spielt das imAlltagder allermeistenÖsterreicher sehr
wohleinegroßeRolle,unddeshalb,weileseinegroßeRollespielt,musses
ineinemMassenmediumeinfachThemasein.« (B1m)
Hier lässtsichdieVerschiebungderRegisternachvollziehen,dievomSignifi-
kanten ›Islam‹unmittelbarzuverschiedenstenethno-nationalen Identitäten
überleitet: »derGrieche,derTürke,der Serbe…der Italiener«.Was sie eint,
ist kein gemeinsamer Bezug auf den Islam–»der Türke«, oft als Synonym
für»denMuslim«gebraucht, isthiernureinElement inderKettevonGrup-
penidentitäten–sonderndasssieinÖsterreichalsfremdgelten.DasFremde
wirdwiederumdurchdieVerschiebung ins linguistischeRegister angezeigt:
»Namen, dieman nicht kennt«, von denen »man« nichtwissewieman sie
aussprichtunddiekeineeindeutigegeschlechtlicheZuschreibungerlaubten.
Die Reichweite dieser Operation scheint auch hier fast grenzenlos. Auf die
Nachfrage,welche Art vonmedialer Behandlung desThemas er für beson-
dersgelungenhält, erzählt derBefragte voneinerSerieüberMigrantInnen,
die inÖsterreich als KleinunternehmerInnen erfolgreich sind–und nennt
namentlicheinenserbischenFriseurundeinen»Texanermitmexikanischen
Wurzeln,dereinTex-Mex-Restaurantgehabthat«.
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Titel
- Im Namen der Emanzipation
- Untertitel
- Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Autor
- Benjamin Opratko
- Verlag
- transcript Verlag
- Ort
- Bielefeld
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 366
- Schlagwörter
- Rassismus, Österreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Kategorien
- Weiteres Belletristik