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6 VonderKulturalisierungzurTemporalisierung 201
FrauenoderMädchen.OderauchmitStraftaten,diedamit imZusammen-
hangstehen.AuchmitneuenWaffen.« (B2m)
Die»neuenWaffen«seienMesser,dieweithäufigerals früherbeiGewaltver-
brecheneingesetztwürden,wasermitdemIslaminVerbindungbringt.Auf
Nachfrageerläutert er:
»Das ist eine ständigeReibefläche, eigentlich jedeWoche gibt’s das, jede
WocheistirgendeineBerichterstattunginZusammenhangmitsolchenDin-
gen. IchbinsehroftamStraflandesgerichtunddasindzwarnichtwöchent-
lich,aberschonmonatlich,Taten,dieinunseremKulturkreisfrühernichtüb-
lichwaren.JetztmachichdasnichtdemIslamzumVorwurf,oderzurNach-
rede,es isteinfachFakt.« (B2m)
DieTaten, die der Journalist hiermeint–und imLaufe des Interviews im-
merwieder anekdotisch aufruft– sinddurchdrei Aspekte gekennzeichnet.
Sie sindaufunmittelbareWeisekörperlichgewalttätig; siegeschehen imso-
zialenNahraumPartnerschaftundFamilie;undsiewerdenvonMännernbe-
gangen.›Kultur‹ (als»Kulturkreis«aufgerufen)dienthieralsDifferenzmarker
zwischendiesenals fremdmarkiertenund ›anderen‹Gewaltpraxen.Interes-
sant ist dieBeteuerungamEndedieserPassage,ermachedieseTatennicht
»demIslamzumVorwurf«.Was zunächst als Relativierungder kulturalisti-
schenZuschreibungerscheint, löst sich tatsächlich ineineranderenrhetori-
schenStrategie auf.Diesdeutet sich schon inder IntonationdesSatzes an.
Betont wird nicht das Objekt ›Islam‹, sondern dieWörterVorwurf und die
Nachrede. Bald daraufwird deutlich,was er damitmeint. Ermacht den Is-
lamzwarverantwortlichfürdenwahrgenommenenAnstiegandieserArtvon
Gewalttaten, kanndamit aber keinenVorwurf verbinden,weil er den Islam
alsdasVerhaltenmuslimischerMännerdeterminierendannimmt.Mankön-
ne ihnenkeinenVorwurfmachen,weil sie sich alsMuslime, aufgrund ihrer
kulturellenPrägung,ebennicht anders verhaltenkönnten.Diehier operati-
veNaturalisierungwird imweiterenVerlaufdes Interviewsnochdeutlicher.
Auf die Frage,worauf er die BedeutungszunahmedesThemas Islam in der
Öffentlichkeit zurückführt,antwortetderRedakteur:
»Ja,weil’s glaub’ ich…durchdieZuwanderung sind’s haltmehr geworden
alsfrüher.Menschen,dieandersfühlen,andersdenken,undeinenanderen
Hintergrund, auchBildungshintergrundhabenalswir, vor allemeinenan-
derenkulturellenHintergrund.Undjemehreswerden,destostärkerwird’s
thematisiert.« (B2m)
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Titel
- Im Namen der Emanzipation
- Untertitel
- Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Autor
- Benjamin Opratko
- Verlag
- transcript Verlag
- Ort
- Bielefeld
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 366
- Schlagwörter
- Rassismus, Österreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Kategorien
- Weiteres Belletristik