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202 ImNamenderEmanzipation
Hierwirddie Praxis derVeranderungbuchstäblich.Dass es sich beiMusli-
mInnenum›Andere‹handelt, isteineGrundprämissedesBefragtenwährend
desgesamtenInterviews.IndieserPassagewirddarüberhinausdieessentielle
Differenzdeutlich,dieangenommenwird.BeiMuslimInnenhandelt es sich
für ihnum»Menschen,dieandersfühlen,andersdenken«als ›wir‹.Der ›kul-
turelleHintergrund‹ wird hier zur bestimmenden, essentiellen Eigenschaft
des/dermuslimischenAnderen.Dasswir es dabeimit einer Praxis derNa-
turalisierung zu tunhaben, verdeutlicht eineMetapher, die derBefragte zu
einemspäterenZeitpunktwählt, umseinenStandpunkt zu verdeutlichen–
diesalsReaktionaufdieFrage,welcheRolleerdenMedienundsichselbst im
Umgangmit demThema Islam zuschreibt. Zunächst antwortet er entspre-
chend seiner offiziellenRolle als Journalist: »Naja, einederAufgaben ist, zu
informieren.«DannergänzterschnellseineeigeneRollealsAkteurindiesem
Feld. InformierenzumThemaIslambedeute für ihnauch:
»Wennduesoftgenugschreibst, vielleichtdenkteineFrauzweiMalnach,
bevorsieeinenIranerheiratet.NichtweildaseinböserMenschist,aberweil
er ein ganz anderes Gedankengut hat und irgendwann kann’s schon sein,
dass siedann irgendwoeingesperrt ist, odergehautwird,weil siekanndie
Freundenichttreffen.Ichsag’nicht,dassdasjedermacht,eskommtnurhäu-
figervoralshier.Unddassolltemanhaltvorherwissen. Ichmein’,mankann
aucheinWasserballmatchgegenKrokodile spielen.Nur solltemanvorher
wissen,dassesKrokodilesind.« (B2m)
SeineFunktionverstehtderJournalisthieralsoalswarnendeundbeschützen-
de Instanz für ›unsere‹Frauen.Fastbescheidenbringt er seineMissionzum
Ausdruck:AufklärungüberdenwahrenCharakterderislamischenKulturund
dessenTräger,hier als »ein Iraner«,derparspro toto fürdenmuslimischen
Anderenstehtund–auchwennesAusnahmengebenmag–dazuneigt,Frau-
en zu schlagenund ihrer Freiheit zu berauben.1 ZumAbschluss präsentiert
1 DieGeschichte vonderwestlichenFrau, die von ihrem iranischenEhemanneingesperrt
wird, ist ausdem1987erschienenenWeltbestseller-Roman»NichtohnemeineTochter«
vonderUS-amerikanischenSchriftstellerinBettyMahmoodybekannt.Dader Interview-
partnerälterals55Jahreist,kanndavonausgegangenwerden,dasserdieGeschichteMah-
moodysoderzumindestdenaufdemBuchbasierendenHollywood-Filmvon1991kennt.
Der LiteraturwissenschaftlerHosseinNazari hat »NichtohnemeineTochter«einer kriti-
schenDiskursanalyseunterzogenundkommtzumSchluss:»Bydwellingonculturaldiffe-
rences,whichareatbestvastlyexaggerated,andinmanycasescompletelyfabricated,the
narrator ›stresses theunbridgeablegapseparatinganenlightenedWest fromabenight-
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Titel
- Im Namen der Emanzipation
- Untertitel
- Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Autor
- Benjamin Opratko
- Verlag
- transcript Verlag
- Ort
- Bielefeld
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 366
- Schlagwörter
- Rassismus, Österreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Kategorien
- Weiteres Belletristik