Seite - 203 - in Im Namen der Emanzipation - Antimuslimischer Rassismus in Österreich
Bild der Seite - 203 -
Text der Seite - 203 -
6 VonderKulturalisierungzurTemporalisierung 203
er seinezotigeMetapher:SexuelleBeziehungenmitmuslimischenMännern
einzugehen, sei wieWasserball gegenKrokodile zu spielen.Dass das nicht
gut ausgehen würde, muss nicht dazugesagt werden. Die Naturalisierung
desmuslimischenAnderen in seinerGefährlichkeit,wird hier, in buchstäb-
lich entmenschlichend. In der Figur desmuslimischen Patriarchen kommt
zudemeinespezifischvergeschlechtlichteDimensiondieserNaturalisierung
zumVorschein.Die Figur desmuslimischenManns als potenzieller Sexual-
partnerundGefahr für ›unsere‹nicht-muslimischenFrauenfügtsich ineine
Galerievon»gefährlich fremdenMänner inAlbträumenvonPenetrationund
Kontrollverlust«, die der SoziologePaul Scheibelhofer (2011: 331) für dieMi-
grationsdebatten inÖsterreichseitden1990er Jahren identifiziert.
Das hier präsentierte Beispiel macht die Funktionsweise der Kulturali-
sierung alsNaturalisierung deutlich. Sie spielt allerdings in anderen Inter-
viewskeineodernureineuntergeordneteundvermittelteRolle.AndereFor-
menhaben sich als deutlich stärker ausgeprägt erwiesen.Dies ist durchaus
nichtüberraschend,danaturalisierendeSpielartendesRassismusindenletz-
ten Jahrzentenbesonders starkerKritik ausgesetztwarenundausdemFeld
des legitimSagbarenauchinÖsterreichweitgehendzurückgedrängtwerden
konnten.NichtsdestotrotzwirdauchaufdieseFormnochzurückzukommen
sein, denn wie in Kapitel 6 gezeigt wird, besteht ein innerer Zusammen-
hang zwischendiesemundanderenModi der antimuslimisch-rassistischen
Veranderung.
6.1.2 KulturalisierungalsEthnisierung
Eine engmit der Naturalisierung verwandte Form der Kulturalisierung ist
die Konstruktion des/dermuslimischenAnderen als ›ethnischeGruppe‹. In
Teilender Fachliteraturwirddie ›Ethnisierung‹ vonMuslimInnenals domi-
nanteFormderVeranderungbeschrieben (vgl.Bloul 2008;Cakir 2014)Auch
Shoomanschließtausder»synonymenVerwendungderBezeichnungen›Tür-
ke‹, ›Araber‹, ›Migrant‹ und ›Muslim‹, wie sie inmedialen, politischen und
wissenschaftlichenDiskursen auftritt«, auf einenProzess derEthnisierung:
»DamitwirddasMuslim-SeinalsÄquivalentzueinerEthniekonzipiert–und
edEast‹ […]. Bestializing Iraniansputs thembeyond theboundsofhumanempathyand
identificationand further characterizes themaspeoplewhoaredrivenbynothingmore
thanfanaticismandhatredof theWest–primitives that theWestneedstotame,civilize
orannihilate.« (Nazari2017:1192;vgl.Acheraïou2008:43)
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Titel
- Im Namen der Emanzipation
- Untertitel
- Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Autor
- Benjamin Opratko
- Verlag
- transcript Verlag
- Ort
- Bielefeld
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 366
- Schlagwörter
- Rassismus, Österreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Kategorien
- Weiteres Belletristik