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Anton Kuh - Biographie
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88 Unernstes« beurlaubt wurde. Er hielt sich dann als Lektor des Kurt Wolff Verlags und des S. Fischer Verlags in Leipzig und Berlin auf, bevor er Ende 1916 nach Zürich ging, wo er sich bis September 1918 aufhielt. Kraus muß denn auch schmallippig einräumen: »Albert Ehren- stein hat sich nie der geistigen Betätigung im Dienste der Kriegsschande schuldig gemacht. Er hat ihr keinen Vers gewidmet«28 und: »Daß er dann nicht für einen Kriegsdichter befunden wird, ist außer Zweifel«.29 Allerdings habe er dadurch, daß er beim Erscheinen dieser Bücher nicht mehr in Österreich ansässig war, den »Beweis, daß seine körperliche Sicherheit durch seine Tätigkeit gefährdet war, nicht erbracht«.30 Über- dies wolle Kraus den »allgemeinen lyrischen Pazifismus« von Ehren- stein und Co. nicht mit seinem eigenen Kampf vergleichen, der in der »zentralstaatlichen Literatur« einzig sei.31 Hugo Sonnenschein, von dem keine einzige kriegspropagandistische Zeile bekannt ist, hatte den ganzen Krieg als Frontsoldat gedient  – und damit wohl in Krausscher Logik den Beweis erbracht, daß seine kör- perliche Sicherheit gefährdet war. Sei’s drum. Auch wenn der Vorwurf opportunistischen Verhaltens im Krieg haltlos ist, denkt Kraus nicht daran, diesen zurückzunehmen und sich zu entschuldigen. Er nimmt Ehrenstein und Sonnenschein vielmehr als Repräsentanten des »politisch entzündeten Literatentums«32 in die Pflicht und kanzelt sie in seltsam verquerer Logik eben als solche ab. Läuft der Angriff auf die moralische Integrität ins Leere, verlegt sich Kraus auf ästhetische »Argumente«, um die Widersacher, die es gewagt hatten, seine Anwürfe abzuwehren, doch noch zu desavouieren und am  Ende doch recht zu behalten. Als Sonka einige von Kraus’ ironi- schen Bemerkungen zu seinem expressionistischen Gedicht »Ekel vor Europa«, das sich in erotischen Obsessionen ergeht, auf das Titelblatt seines neuen Buchs setzen läßt, kommt Kraus im Januar 1920 nochmals darauf zu sprechen, indem er es als »eines der bemerkenswertesten Kriegsgreuel, die die Literaten in jener Ära verübt haben«,33 bezeichnet. Was bleibt also vom Vorwurf opportunistischen Verhaltens im Krieg?  – Kraus mag die Lyrik Sonnenscheins und Ehrensteins nicht! In Beweisnot, aber nie um eine Finte verlegen, verlagert Kraus das Kampfgeschehen auf einen Nebenschauplatz. Statt die Diffamierungen zurückzunehmen, »erledigt« er im Juli 1920 mit dem Aufsatz »Ein neuer Mann«34 Georg Kulka, einen jungen Lyriker aus dem Umfeld des Genossenschaftsverlags und Sympathisanten der ungarischen Räte- republik, den er eines Plagiats an Jean Paul bezichtigt  – nicht ohne am vermeintlich schlampigen Verhältnis der literarischen Avantgarde zum geistigen Eigentum deren Naheverhältnis zum Kommunismus ursäch-
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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