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Anton Kuh - Biographie
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137 Einige Breitseiten sollten noch folgen, etwa: »Karl Kraus: ein leuch- tender Saphir an Nietzsches Krone«  – mit der Erläuterung: »Moritz Gottlieb Saphir, geboren 1795 zu Budapest, gestorben 1858 zu Wien, Subjekt des berühmten Satzes: ›… hat gepflegt zu sagen.‹« Die Fallhöhe ergibt sich aus Kraus’ Wertung: »Die Beliebtheit Saphirs kannte keine Grenze. Er legte dem Publikum keine Gedanken in den Weg und störte es durch keine Gesinnung. Seine Einfälle waren ein Aufstoßen, seine Poesie war Schnackerl.«4 Wenn Kuh seinen Blick über den Literatur-Tisch schweifen läßt –  »Ich teile die Literatur ein in Tisch und Nebentisch. Am Tisch wird erlebt, was der Nebentisch, sich aneignend, desavouiert«  –, entgeht niemand seinen Bon- oder vielmehr Malmots. Mit überlegenem Spott bedenkt er alle, die sich am Nebentisch eingefunden haben: »Anton Wildgans oder: der Mittelstandswedekind«; »Hans Müller: der zum Kotzebue. Er ist der meisterhafteste Dramatisierer vorgestellter In- haltsangaben«; »Herbert Eulenberg: Kleists Kleister«; »Theodor Däub- ler: ein etwas korpulenter Astralleib«; »Felix Dahn: Romanvater Jahn«; »Dr. Karl Schönherr: ordiniert täglich von 2-3«. Spitzzüngig und boshaft kommentiert er, was Rang und Namen hat in der République des lettres: »Gerhart Hauptmann oder: der Gewerk- schaftsolympier«; »Arthur Schnitzler oder: post coitum omne animal est typisch wienerisch-graziös«; »Stefan Zweig verkehrt mit sich aus- schließlich durch einen französischen Dolmetsch. Er könnte sich bei näherer Intimität zu einem Innenleben hinreißen lassen«; »[Hugo von Hofmannsthal]: der Meister der Lektüre-Wiedergabe. So tief er in seine Seele hinablangt, er findet nur Stoffe der Weltliteratur. Er ist von ihr so gründlich bearbeitet, daß er erst zu sich kommt, wenn er sie bearbei- tet«; »Alfred Polgar: ein Mausoleum der Nuancen«; »[Siegfried Jacob- sohn]: der Praktikant auf Lessings Bücherleiter«; »Shaws geistiger Me- chanismus: Ihr glaubt, zwei mal zwei sei vier? Falsch! Es ist vier. Seine Technik: die melodramatische Rückentwicklung vom Gemeinplatz zum Paradox«; »Ibsen: ein Mittel, im dämmerdunkeln, geheimnisrascheln- den Zimmer bedeutsam zu rülpsen«; »Strind berg: die Standard-Beruhi- gung der Unerotischen. Sie glauben, seitdem es ihn gibt, im Bett lümmeln sei faustisch«. Auch die Porträt-Komprimate, die er jenen widmet, die er am Tisch Platz nehmen läßt, sind bisweilen freche Invektiven: »Stendhal: der Herrenreiter der Schriftstellerei«; »[Peter Altenberg]: ein Afrikaforscher der Alltäglichkeit«; »Franz Blei: der Enzyklopädist der Randbemer- kung«; »Robert Müller: ein in Amerika diplomierter Denkingenieur. (Anders: ein Goalkeeper der Abstraktion.); »Franz Werfel oder: das
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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