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Anton Kuh - Biographie
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139 Die »Reichspost« bekundet gleich rundheraus, daß ihr Kuhs »Laune und Launen« ungenießbar sind. Sie gibt ihm indessen darin recht, daß gute Aphorismen »stets Hauptgedanken ungeschriebener Essays [seien], die aber auch ungeschrieben bleiben müssen, weil ihr Gedankengang sich eben in einem Satz sagen läßt«  – allerdings nur, um den Kuhschen hämisch Gedankenlosigkeit zu attestieren: »Die Abhandlungen, die sich Kuh über seine Aussprüche zu bauen vorbehält, werden sich daher nicht machen lassen.«12 Diese Unterstellung wischt Kuh  – ob zeitlicher Zufall oder ein Jux, den er sich erlaubt  – prompt vom Tisch: Eine Woche nach der mißlaunigen Besprechung veröffentlicht er den »Er- klärungsessay« zu dem »dunklen Ausspruch« »Impressionen sind Glei- chungen mit n Gliedern, von denen n  – 1 gegeben sind« in der »Wiener Sonn- und Montags-Zeitung«, die als »Judenblattl« immer im Visier des »Unabhängigen Tagblatts für das christliche Volk« steht.13 Der Deutschvölkische Richard Euringer im Wortlaut: »Eine glän- zende Einleitung, dann noch etliches. ›Ungeduldige Abbreviaturen eines gemeinsam-tieferen Sinnes, Knöpfe im Sacktuch‹ eines Literaten aus Ekel an Literatur. Übrigens: Goethe mag sich doch ein bißchen lang- weilen in solch bedrohlicher Nachbarschaft mit Eugen Dühring, Jakob Hegner, Albert Ehrenstein, Rudolf Borchardt, dem Aphoristiker G., Otto Weininger, Wedekind, Wilde, Rudolf Pannwitz und Magnus Hirschfeld. Man könnte vom Sturm im Wasserglas sprechen, handelte es sich nicht eher um Flaute im Sodawasserglas eines Wiener Cafés. Nicht als ob ich das Ergreifende eines Bekenntnisses ›Die wenigsten wissen, daß auch das Nichtschreiben die Frucht langer und mühseliger Arbeit ist‹ nicht wie einen Händedruck mitfühlte, aber gerade weil eine Welt (und eine Welt der Qual!) sich verbirgt hinter diesem Katzenjam- mertal zwischen Strind- und Peter Altenberg, wünscht man dem Autor die Kraft von  … Spengler aufwärts! / In großen Zusammenhängen ist das Büchlein nicht unnotwendig als Dokument, Symptom. Ein neues Plus auf der Liste des Verlags.«14  – Weniger verblümt und knapper gefaßt: Jüdische Geschäftemacherei! Daß es mitunter eine haarige Angelegenheit ist, gute Sentenzen von schlechten zu scheiden, sollte Kuh am eigenen Leib erfahren. Er läßt sich in einer »Selbstanzeige« seiner »Essays in Aussprüchen« noch einmal über die phonetische Fliegenfängerei und die Antithesenkunstgewerbler aus, »deren Hirn aus der Sprach- und Wortumhäutung nie zum Anblick des Wirklichen sich entschält«, »die da glauben, was sie aus dem Worte zeugen, sei das Blut der Welt«. Kennzeichen des schlechten Aphorismus seien: »Wortgeborenheit, Kleinheit des Welthintergrunds, […] Glanz- und Opalisierungsprofil aus der x-fach gebrochenen Intelligenz. Man
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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