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Anton Kuh - Biographie
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145 bert Weichardt, der Schmiere stand, und der fünfundzwanzigjährige Buchhändler und Verleger deutschvölkischer Schriften Albert Wilhelm Grenz, der Verbindungsmann zur »Organisation Consul«, lediglich wegen Beihilfe zu gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren und neun Monaten resp. wegen Anstiftung zu gefährlicher Körperverletzung zu vier Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt, obwohl die Mordabsicht nicht nur klar zutage lag, sondern im Prozeß auch nach- gewiesen wurde. Als die zwei Harden-Attentäter »zu zwei beziehungsweise vier Jahren Gefängnis freigesprochen« werden,7 bringt Kuh unter Zwischentiteln wie »Patriot und ›Verräter‹«, »Deutschland«, »Der Judenhaß« oder »Die Justiz« im »Neuen Wiener Journal« wieder Börne als Kronzeugen in Stellung: »[D]er siegreiche Nationalismus von 1822, dem es so gut ge- gangen war, betrug sich kaum anders als der Rachenationalismus von heute. Damals wie jetzt galt als der Patriotenweisheit letzter Schluß die Interjektion ›Jud!‹. Der Unterschied lag nur an den Vollzugsorganen: sie amtierten damals nicht zivil und gegen, sondern uniformiert und für die Ordnung.« Mit Passagen, die so frappierend aktuell wirken, als seien sie auf das Deutschland von 1922 gemünzt, und die ein engagierter Anwalt zu einem Plädoyer hätte fügen können. Darunter: »Bei aller Rechtspflege kommt es nicht bloß darauf an, daß Recht gesprochen werde, sondern auch, daß jeder Bürger im Staate die Zuversicht habe, daß Recht gesprochen werde. Was hilft alle Sicherheit, wenn man nicht das Gefühl dieser Sicherheit hat. Aber dieses Gefühl der Sicherheit, diese Zuversicht auf strenge Rechtlichkeit kann ein deutscher Bürger nicht haben  … Sie können täglich in der Zeitung lesen, was in Bayern ge- schieht  … (Wortwörtlich!)«8 Alfred Döblin, der Kuh »unter den Männern, die die geistige Revolu- tion dieser Zeit9 vorwärts tragen«, »zu den tapfersten« zählt, nennt die Börne-Auswahl »eine sehr zeitgemäße Angelegenheit«, die »Millionen Deutscher und Gebildeter […] hinter die Ohren geschrieben« gehöre:10 »Frappierend die Ähnlichkeit der jetzigen, besonders der Vorkriegs- epoche mit der von Börne berannten. Wir finden Professorenpatrio- tismus, Antisemitismus, bairische ›Sonderinteressen‹.« »Den heutigen Kämpfern« könne Börne zeigen, »wie man eine Klinge schlägt«. Und Döblin weist »noch auf die tief gesehene Charakteristik des neu ent- deckten Zeitgenossen durch seinen Entdecker«. Emphatische Zustimmung auch von Hermann Wendel: »Kaum jemals ward unser deutsches politisches Elend offenbarer, als da Anton Kuh eine Auswahl aus Börnes Schriften herausgibt, als Titel darüber setzt: ›Börne der Zeitgenosse‹ […] und wir erschüttert bekennen müssen: Ja,
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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