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Anton Kuh - Biographie
Seite - 153 -
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153 geplündert, jüdische Passanten schwer mißhandelt  – und bei denen die  Schutzpolizei den Mob vielerorts gewähren läßt;29 den Hitler- Ludendorff-Putschversuch am 8. und 9. November 1923; den Mord am Volksschullehrer Walter Kadow, der am 31. Mai 1923 in Parchim, Mecklenburg, von Mitgliedern des Freikorps Roßbach  – darunter Ru- dolf Höß und Martin Bormann  – bestialisch mißhandelt und dann er- schossen wird. Die rechtsextremen Mörder verdächtigen ihn, den ehe- maligen Freikorpskämpfer Albert Leo Schlageter an die französischen Ruhrbesatzer verraten und damit dessen Verurteilung wegen Spionage und Sabotage und Hinrichtung verschuldet zu haben. Kuh benennt aus diesem Anlaß die »besondere Spezialität« Deutschlands: den »Tritt mit dem Stiefelabsatz ins Gesicht. […] Dergestalt nämlich, daß der Fuß Potsdam darstellt, also alles Marschierfreudige, Militärische, Zucht- automatische, Subalterne, und das Gesicht Weimar, d. h. alles, was Hirn und Menschentum bedeutet.«30 Und im Dezember 1924 expliziert er anläßlich des Prozesses gegen Fritz Haarmann  – Friedrich Heinrich Karl (»Fritz«) Haarmann steht unter der Anklage, im Zeitraum 1918 bis 1924 siebenundzwanzig Buben und junge Männer im Alter von zehn bis zweiundzwanzig Jahren ermordet zu haben, von 4. bis 19. Dezember 1924 vor einem Schwurgericht in Hannover  – seine Thesen über den Zusammenhang zwischen der Erziehung zu teutscher Zucht und Sitte und der »Doppelblüte von Sadismus und Masochismus« und der im deutschnationalen Milieu weitverbreiteten Homosexualität.31 Die Schlußfeier des Allgemeinen österreichischen Katholikentags am Sonntag, 1. Juli 1923  – die Wiener Bezirks- und die einzelnen Bundes- ländern-Gruppen, die mittags fahnenbewehrt und »unter klingendem Spiel« zu ihren Aufstellungsplätzen entlang der Ringstraße anmarschie- ren, formieren sich zu zwei Festzügen, die sich um 13.30 Uhr in Be- wegung setzen zur Schlußfeier auf dem Heldenplatz  –, nährt Kuhs Pessimismus: Aus der imperialen Metropole »Wien an der Donau« droht der provinzielle Pferch »Wien am Gebirge« zu werden. »Die Gesinnun- gen sind kernhafter, spröder, kleinhorizontiger geworden; die Welt- freude des nationalen Mischlings weicht jener Dusterknorrigkeit, für die die Nase des Tirolers ein so scharfes Abbild ist. Die Umgangsart ist gereizter wie bei kleinstädtisch zu ewigem Unter-sich-Sein Verdamm- ten. […] Die Politik trägt Berg- und Almluft herein, holzigen Scheunen- hauch. Was in Stammbeiseln krakeelt und in Extrazimmern rumort oder kniehosig und wickelgamaschig Marschtakte aufs Pflaster schlägt, was sich da schwarze Lappen ums Haupt wickelt, Baumstämme als Spazier- stöcke trägt und vor jedem guten Gewand oder schönem Gefährte das Gesicht in Falten zieht  – das ist der Geist von Schladming, Unterhollers-
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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