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Anton Kuh - Biographie
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161 Auch wenn es Kuh allzu billig sein mag, den Kulissenzauber  – »eigen- tümliche Tradition der Unnatur mit allen Fatzkereien, Gemüts-Reißern, pathetischen Blähungen und Stelzschritt-Affekten«8  – als faulen Zauber zu enthüllen, ist er doch immer wieder verwundert darüber, wie wichtig man in Wien selbst  – und gerade  – in Zeiten größter Not die rituell aufgesuchte Scheinwelt der Bühne nimmt. Was ihn nicht daran hindert, zehn Jahre hindurch, von 1916 bis 1926, dieses intrikate System von bildungsbürgerlichen Verabredungen, robusten Konventionen und ver- stocktem Einverständnis aller Beteiligten mit der Illusion obstinat kri- tisch zu begleiten. Gegen den »[guten] ehrlichen, prächtigen Theaterirrsinn« hat Kuh nicht das geringste einzuwenden, im Gegenteil, nach dem »einstmaligen Schmierengrößenwahn«9 sehnt er sich geradezu, wenn er an den so- genannten matten Abenden »seelisches Sodbrennen bekommt und als armer Sünder weggeht«10. Was ihm indessen den Theaterbesuch mehr und mehr verleidet, ist der Typus des »Gewerkschaftsmimen, des Man- nes, der Schauspieler wurde, wie man Postkontrollor, Mistbauer oder Posamentierer wird«11, wie Kuh 1922 wettert, als die Schauspieler des Deutschen Volkstheaters sich weigern, Wedekinds »Sonnenspektrum« zu spielen, mit der Begründung, es sei ihnen »zu unmoralisch«. Das »›hitzige Völkchen‹« sei längst ein »seriöses Volk« geworden, hatte Kuh im Mai 1917 schon festgestellt: »Es will zwischen 7 und 10 Uhr abends Kunst absolvieren, leitet sich davon alle Privilege ab und möchte in der übrigen Zeit im Vollglanz jener Ehre dastehen, die der steuerzahlende, gut beleumundete, kindererziehende, kartenspielende, gesinnungstra- gende, familiensinnige, seßhafte Normalmensch genießt.« Kunst als »irregeleitetes Konzipienten-, Offizianten- und Diurnistentum«, der Mime mit »Innungsbewußtsein, Morrral  – man muß das Wort, das wie ein phonetisches Pfauenrad aus der Kehle steigt, bloß in einem modernen Stück gehört haben, um seine Interpreten zu kennen  –, nationale[r] Gesinnung und ein[em] Geschlechtsleben, das sich seiner Verrufenheit nur noch als romantischen Schimmers bedient und mit konventioneller Kälte frivol gebärdet. Das ist ja das Ärgste an diesem brav gewordenen Theater: es steckt nichts mehr dahinter. Das Gspusi des Herrn Zappel- huber mit Fräulein Strampelmeier und der sogenannte leichte Ton  – sie gehören zum Mechanismus. Zieht sie ab und ihr seht in einen Zwinger grollenden, schnaubenden, quietschenden, kratzenden Brotneids, in ein Krankenhaus vergifteter Eitelkeiten.«12 Was Kuh an den »im Nebenberuf schauspielernden Bühnenvereins- mitgliedern« sauer aufstößt, bringt ihn bei Stücken »über« so richtig in Fahrt: »Dies Wörtchen ›über‹ trennt ozeanweit die Schöpferischen von
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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