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Anton Kuh - Biographie
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165 Bei Arthur Schnitzler ist »immer alles mollert wie die Wiener Weiber: Dialog, Witz, Handlung, Weltbild«. Es fehlen ihm  – und darin liegt seine »Blutsverwandtschaft mit dem Wiener Feuilleton«  – »Unmittel- barkeit, Schärfe, Elementargeist«. Seine Journalisten-Satire »Fink und Fliederbusch«: »Ein Possengedanke, der Schnitzlerisches Fett ansetzt und sich lokalüppig auswächst halb zu Bernard Shaw und halb zu Franz Lehár.«28 Sein Schauspiel »Freiwild«: »Der Jahrgang 1900 der ›Neuen Freien Presse‹ kann nicht vergilbter sein als dieses mit ihm identische Stück.«29 Der umkämpfte »Reigen« hinterläßt bei Kuh  – im Gegensatz zu seinen Kritikerkollegen, die das Werk als »graziös«, »tän- delnd«, »leicht getupft« und »holdselig« bezeichnen  – »nicht eine Spur an Parfum, aber dafür eine ganze Dosis von Desinfektionsgeruch in der Nase. / […] Aber wo es im ›Reigen‹ zu düfteln und schweben beginnt, wo die Mondscheinsonate durch das Zimmer gaukelt  – dort beginnt die Sauerei.« Mit dem Nachsatz: »Halten zu Gnaden!  – Das war gegen Schnitzler und nicht für die Zensur gesagt.«30 Kuh gesteht Schnitzler in seiner Premierenbesprechung der »Komödie der Verführung«, »dieser wienerischen Tragigroteske der Erlebnisangst«, durchaus zu, die Salon- atmosphäre Wiens von anno 1914, »diese zugleich bedrückend-schwüle und orchideenfarbige Sumpfwelt der verschwommenen Beziehungen und butterweichen Schicksale, wo die große Generalangst vor dem Er- lebnis tausend komplizierte Scheinerlebnisse schafft«, meisterlich ein- gefangen zu haben, stößt sich aber daran, daß er seinen »Geschöpfen kritiklos gegenübersteht«31, und läßt sich drei Tage nach der Premieren- besprechung als Reaktion auf die von Arnolt Bronnen und Bert Brecht inszenierten Störaktionen während der Berliner Aufführung zu dem vergifteten Lob herbei, »daß nur ein Dichter uns so spannend langweilen kann wie Arthur Schnitzler in seiner ›Komödie der Verführung‹«.32 Kuhs Einwand gegen Schnitzler: »daß er eine Welt in Spiritus gesetzt hat, die keinen hat«, die Welt der »tramhaperten, jüdisch-wienerischen Molluskenwelt von 1900«, was ihm immerhin »kulturchronistischen Rang auf Kosten dauernder Unterhaltsamkeit« sichert. »Diese bronze- teintigen, melancholisch angesäuselten Tennis-Buben aus kommerzialrät- lichem Geblüte, die da in der Figur des ›Anatol‹ verewigt sind  – wer kann sie, ihr Idiom (worin aristokratisches Spülwaser die mosaische Kehle glättet), ihre Erotik (worin die Begriffe Schubert und Maupassant ein schmieriges Tête-à-têtscherl miteinander eingehen) noch vertragen? Was sie anno Anatol erlebt haben, das wird heut in Adolf Bretts Pavil- lon33 sehr leicht abreagiert!«34 »Sudermann als Tiefstapler«: Diese seine Definition Georg Kaisers zieht Kuh anläßlich einer Aufführung von »Nebeneinander« mit dem
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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