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Anton Kuh - Biographie
Seite - 173 -
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173 Grund«: »Moral aus dem Fünfkreuzerroman, in noblere Auffassung getaucht und humoristisch geläutert. Geschneiderte Kolportage mit schwachem Fleischansatz; nur die Vernunft quillt in kerniger Mundart. Eine Wirtshausszene, in der es schalantert. Funken zucken auf, aber es brennt nicht. Im Gegenteil: Alles biegt vor der Verwicklung um und geht seinen harmonischen Weg zur Schmunzelweisheit: Daß man die Männer nur Herren zu spielen lassen braucht, damit sie brav und fein stad werden. Anzengruber verstand sich auf solche altkluge Sinnigkeit, die mehr nach Zeitung als nach Gemüt klingt und auch sonst zum Libe- ralismus paßt. Deshalb  – der germanistische Gott verzeih’ mir’s!  – wirkt er heute auch in manchem so unecht. Wie Dialekt-Liberalismus. Jener lebt und leuchtet, aber dieser ist bekanntlich mausetot. Nicht mehr aufzuwecken.«76 So wie Kuh bisweilen einzelne darstellerische »Leistungen« aufs Korn nimmt, verreißt er auch süffisant die Darbietungen ganzer Ensembles. Über die Aufführung des Schauspiels »Bosporus« vom Januar 1918: »Die Volksbühne kam der Geschichte und den Waffenbrüdern mit aller darstellerischen und technischen Reverenz entgegen; Haschischrauch, Koranetikette und Gebetstimmen, die alle Stationen von Wien bis Wie- ner Neustadt ausrufen. Fräulein Dergan als Nedschibè ist von einer Olmützer Eindringlichkeit, einer Stockerauer Leidenschaft und einer Nikolsburger Hingabe, die unwiderstehlich wirken. […] Herr Kortner pumpt sich mit lippengepreßtem, schnalzendem und fletschendem We- gener-Grimm Dämonie aus dem Leibe. […] Immerhin interessant. Herr Schildkraut hat dafür eine sehr natürliche, ich möche sagen: deli- kate Art, jung zu sein. Neben ihm wirkt noch das plaudersam-mondäne Fräulein Norden wie ein Gruß aus Molnárs Ungarn. Die Damen Fatma, Leila, Kondscha und Gül hingegen sind Töchter der Sonne, die den Vöslauer Kurpark bescheint.«77 Noch dezidierter das Urteil über eine Berliner Aufführung von Schnitzlers »Reigen«: »Was sonst auf der Bühne stand, traut sich das letzte Wiener Pimperltheater nicht zu bieten.«78 Anton Kuh hat auch ein empfindliches Organ für die Sprache, die von der Bühne tönt. Kann es sich etwa bei der Besprechung eines Stücks von Leonid Andrejew nicht verkneifen, die Ohrenpein zu vermerken, »die einem die vielen ›’ne‹, ›’nen‹ und dem internationalen Übersetzer- Volapück entlehnten Worte wie ›Schlumpe‹, ›drängeln‹ usw. bereite- ten«79. Und bei einem farb- und humorlosen Gastspiel der Münchener Kammerspiele im Mai 1918 nimmt er zwar deren Farb- und Humor- losigkeit nicht übel  – »Wie soll das Theater lebendig sein, wenn das Leben nicht theatralisch empfunden wird?«  –, sehr wohl aber deren
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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