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Anton Kuh - Biographie
Seite - 175 -
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175 1924 – 1925 Kurz nach der Klöpfer-Kalamität ist Anton Kuh in Ralph Arthur Roberts’ Inszenierung von Frank Wedekinds »Sonnenspektrum« an den Wiener Kammerspielen89 als Eoban, »Minnesänger des Freuden- hauses«,90 besetzt. Er legt die Rolle zurück  – was Leopold Jacobson außerordentlich bedauert: Er hätte die Premierenbesprechung glatt an Eugen Klöpfer abgetreten91  –, weil ihm, dem Kritiker, »bei aller Nettig- keit [s]einer Eventual-Kollegen«, die Bedenken angesichts zu gewärti- gender »Revanche-Kritiken« dann doch widerrieten. Zudem mußte er bei den Proben seine Auffassung, »daß ein gewisser vergeistigter Dilet- tantismus Wedekind bei den Aufführungen seiner Stücke eher nützen als schaden« könne, revidieren. Das stimme nur für jene Rollen »die gleich- sam Schalltrichter seiner Weltanschauung und nicht Charaktere sind«. Für letztere reiche der »Anschein einer Privatpersönlichkeit« nicht hin, dafür brauche es »unbedingt auch Routine der Raumbeherrschung«.92 Statt dessen gibt er zur Premiere am 27. März und tags dar- auf jeweils eine einleitende Conférence. »Wie die Verneinung an sich stand er da:  schlank und schwarz, wie ein Minus- zeichen, das sich zu einem Ausrufungszeichen emporbäumte. Ein Ausrufungszeichen hinter jedem Quand même.«93 Und spricht, ganz programmatischer Amoralist, über Sexualität, die Wedekind der reine Naturzustand  – das »rein« betont  –, das Selbstverständliche, »naives Sein im Urelement des Lebens« sei.94 Und fordert keineswegs »sittliche Freizügigkeit, sondern die Einfüh- rung des Legitimierungszwangs auf allen Territorien der bourgeoisen Moral. Wir reisen dort bislang mit falschen Pässen.«95 Am 12. April 1924 steht Anton Kuh als Angeklagter in einer Ehren- beleidigungssache vor dem Strafbezirksgericht Leopoldstadt. »Streit- sache: ›Tepp‹ oder ›Götz‹-Zitat?«96 Hat er Ingenieur Josef Heiduk bei einem Wortwechsel in der Straßenbahn »Reden Sie nicht so blöd da- her!« resp. »Sie blöder Kerl!« zugerufen oder: »Sie können mich jeden Dienstag und Freitag zwischen 3 und 5 Uhr  …«?* Ursprünglich war Kuh in Abwesenheit zu einer Geldstrafe von 500.000 Kronen verurteilt worden, und zwar wegen »Sie blöder Kerl!«. Dagegen hatte er berufen. Bei der Verhandlung vor dem Berufungssenat am 16. Feber erklärte er, warum: »Wenn ich im Restaurant einen Schweinsbraten bestelle, so will ich nicht eine Sachertorte bezahlen. An den Herrn die ›Götz‹-Einladung zu richten war mir 500.000 Kronen wert, für ›Blöder Kerl!‹ hätte ich * Ergänze: »am Arsch lecken« resp. »im Arsch lecken«. Wien, Kammerspiele, 27.3.1924 und 28.3.1924, 22 Uhr: Conférence zu Frank Wedekinds »Sonnenspektrum«
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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