Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
Anton Kuh - Biographie
Seite - 179 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 179 - in Anton Kuh - Biographie

Bild der Seite - 179 -

Bild der Seite - 179 - in Anton Kuh - Biographie

Text der Seite - 179 -

179 Ad Programmpunkt II, »Theaterfest«: »Ähnlich, aber noch übler«. […]  / Man lud die Kritik zu einem Künstler-Drama, Hedwig Rossis ›Sieben Jahre und ein Tag‹  – das einzige, was davon blieb, war ein glänzender Essay Robert Musils über Dilettantismus.106 […] / Als Ab- schluß dieser Serie gab das Burgtheater ›Das Schwert des Attila‹ von Ernst Fischer (Graz). / Es traf alles ein, was die Worte: Schwert, Attila und Graz befürchten lassen. […] / Das Burgtheater […] feierte den jungen Symboliker durch einen Schandabend.«107 Im Tagesbetrieb dieselbe Misere. Im Feber 1925 erweist es der direkte Vergleich: Shakespeares »Sommernachtstraum« steht sowohl im Burg- theater wie auch am seit 1923 von Max Reinhardt geleiteten Theater in der Josefstadt auf dem Spielplan: »Hie das ehrwürdige Amtshaus der Überlieferung  – hie der berüchtigt ›gschnasfreudige‹ Eindringling. […] Hier: das Burgtheater, blaß-bureaukratisch wie das Gesicht großdeut- scher Kunstideale, ein Staatsamt für öffentliche Erbauung mit Darstel- lungsbeamten der VI. bis XII. Rangsklasse, provinziell im Einzelnen, zeremoniell im Gesamten. […] Dort: Reinhardts Bühne. Letzter Ver- such geistiger Kunst in ungeistigem Bereich. Europäische Namen. Kul- tur, für Schieberanschluß geschaffen, aber für Gesellschaftsbildung ge- eignet.« Nicht alles an der Reinhardtschen Inszenierung bezaubert Kuh vorbehaltlos: »Aber wer in dieser Stadt als Lebender, Liebender, Ge- nießender noch Partei ist, kann dem Kontrast nicht widerstehen. Gehet hin und vergleichet! Zwei Sommernachtsträume lassen euch alsdann die politische Winternacht dieses Staates begreifen.«108 Am 10. März 1925 wird der Schriftsteller und Publizist Hugo Bet- tauer vom zwanzigjährigen Zahntechniker Otto Rothstock, einem Na- tionalsozialisten, im Redaktionsbüro in der Wiener Langen Gasse nie- dergeschossen und erliegt sechzehn Tage darauf seinen Verletzungen. Bettauer widmete sich mit seinen Zeitschriften »Er und Sie. Wochen- schrift für Lebenskultur und Erotik« (1924) und »Bettauers Wochen- schrift. Probleme des Lebens« (1924-1927) der Sexualaufklärung  – er trat unter anderem für die Straffreiheit von Homosexualität unter Er- wachsenen ein  – und wurde dafür massiv angefeindet. Die christlich- soziale »Reichspost« bezeichnet den Mordanschlag als »Befreiungstat«.109 Die »Dötz« zerdrückt am Tag nach dem »Mordanschlag auf den be- rüchtigten jüdischen Pornographen Hugo Bettauer« Krokodilstränen. Da nun einmal die Behörden gegen die Verbreitung von dessen »Schand- schriften« nicht eingeschritten seien: »Ist es unter solchen Umständen verwunderlich, wenn aus den Tiefen der Bevölkerung dann schließlich Selbsthilfe geübt wird?« Bettauers Los vermöge »wohl nur seine Rasse- genossen und jene Leute menschlich zu rühren, die an [dessen] eroti-
zurück zum  Buch Anton Kuh - Biographie"
Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Anton Kuh