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Ad Programmpunkt II, »Theaterfest«: »Ähnlich, aber noch übler«.
[…] / Man lud die Kritik zu einem Künstler-Drama, Hedwig Rossis
›Sieben Jahre und ein Tag‹ – das einzige, was davon blieb, war ein
glänzender Essay Robert Musils über Dilettantismus.106 […] / Als Ab-
schluß dieser Serie gab das Burgtheater ›Das Schwert des Attila‹ von
Ernst Fischer (Graz). / Es traf alles ein, was die Worte: Schwert, Attila
und Graz befürchten lassen. […] / Das Burgtheater […] feierte den
jungen Symboliker durch einen Schandabend.«107
Im Tagesbetrieb dieselbe Misere. Im Feber 1925 erweist es der direkte
Vergleich: Shakespeares »Sommernachtstraum« steht sowohl im Burg-
theater wie auch am seit 1923 von Max Reinhardt geleiteten Theater in
der Josefstadt auf dem Spielplan: »Hie das ehrwürdige Amtshaus der
Überlieferung
– hie der berüchtigt ›gschnasfreudige‹ Eindringling. […]
Hier: das Burgtheater, blaß-bureaukratisch wie das Gesicht großdeut-
scher Kunstideale, ein Staatsamt für öffentliche Erbauung mit Darstel-
lungsbeamten der VI. bis XII. Rangsklasse, provinziell im Einzelnen,
zeremoniell im Gesamten. […] Dort: Reinhardts Bühne. Letzter Ver-
such geistiger Kunst in ungeistigem Bereich. Europäische Namen. Kul-
tur, für Schieberanschluß geschaffen, aber für Gesellschaftsbildung ge-
eignet.« Nicht alles an der Reinhardtschen Inszenierung bezaubert Kuh
vorbehaltlos: »Aber wer in dieser Stadt als Lebender, Liebender, Ge-
nießender noch Partei ist, kann dem Kontrast nicht widerstehen. Gehet
hin und vergleichet! Zwei Sommernachtsträume lassen euch alsdann
die politische Winternacht dieses Staates begreifen.«108
Am 10. März 1925 wird der Schriftsteller und Publizist Hugo Bet-
tauer vom zwanzigjährigen Zahntechniker Otto Rothstock, einem Na-
tionalsozialisten, im Redaktionsbüro in der Wiener Langen Gasse nie-
dergeschossen und erliegt sechzehn Tage darauf seinen Verletzungen.
Bettauer widmete sich mit seinen Zeitschriften »Er und Sie. Wochen-
schrift für Lebenskultur und Erotik« (1924) und »Bettauers Wochen-
schrift. Probleme des Lebens« (1924-1927) der Sexualaufklärung – er
trat unter anderem für die Straffreiheit von Homosexualität unter Er-
wachsenen ein – und wurde dafür massiv angefeindet. Die christlich-
soziale »Reichspost« bezeichnet den Mordanschlag als »Befreiungstat«.109
Die »Dötz« zerdrückt am Tag nach dem »Mordanschlag auf den be-
rüchtigten jüdischen Pornographen Hugo Bettauer« Krokodilstränen.
Da nun einmal die Behörden gegen die Verbreitung von dessen »Schand-
schriften« nicht eingeschritten seien: »Ist es unter solchen Umständen
verwunderlich, wenn aus den Tiefen der Bevölkerung dann schließlich
Selbsthilfe geübt wird?« Bettauers Los vermöge »wohl nur seine Rasse-
genossen und jene Leute menschlich zu rühren, die an [dessen] eroti-
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Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Anton Kuh
- Subtitle
- Biographie
- Author
- Walter Schübler
- Publisher
- Wallstein Verlag
- Location
- Göttingen
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Size
- 13.8 x 22.2 cm
- Pages
- 576
- Category
- Biographien