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Anton Kuh - Biographie
Seite - 189 -
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189 geschichte des neuen Reichtums«  – so der Untertitel der 29. Folge  – geschrieben haben: Camillo Castiglionis und Sigmund Bosels, »schier die leuchtenden Transparente vor dem Eingang ins neue große Welt- theater«, die mit dem unerhörten Satz »Jedes Blutbad war ein Jugend- bronnen neuer großer Finanzleute« in die Traditionslinie der Roth- schilds und Bleich röders gestellt wurden; über »die Bereitschaft des öffentlichen Wortes, dem Aussatz der Menschheit alle Ehre zu geben«. Er empört sich über die Verklärung von Valutenschiebern, die »in Verbindung mit dem größten Unglück der Menschheit das meiste Geld« gemacht hatten, zu geradezu faustischen Titanen und erinnert daran, daß »in Verfallszeiten nicht die Würde von oben, sondern der Dreck von unten kommt«. Ohne Békessy hier noch zu nennen, hat Kraus ihn doch schon im Visier. Vollends wenn er drei Monate darauf die »Käuflichkeit der Leute, von denen man weiß, daß sie nicht auf die Börse gehn, um über sie zu berichten, sondern über sie berichten, um auf die Börse zu gehn«, an- spricht10; wenn ihm die Mondänität der »Stunde« »bloß der ungezügelte Drang der neuen Publizistik [ist], jenem Reichtum, der andere sterben ließ, das Leben und Lebenlassen zu garantieren, bloß die Frechheit, ihm auch noch zu einem guten Gewissen verhelfen zu wollen«;11wenn er sich kategorisch gegen die Anbiederung von seiten Békessys verwahrt und sich über dessen selbstgerechte Pose lustig macht. Nach beinah einem Jahr Stillhaltens platzt Kraus im Dezember 1924 der Kragen. Zum einen thematisiert er die dubiose Rolle, die »Die Stunde« im Zusammenhang mit dem Krach der Nordisch-Österreichi- schen Bank gespielt hatte;12 und äußert  – viel vehementer noch  – seine Abscheu vor einem anonymen Leitartikel der »Stunde«. Ein vierzehn- jähriger obdachloser Schuhmacherlehrling war in der Nacht von 23. auf 24. Oktober über eine Bretterwand in die Parkanlage des Etablissement Tivoli in Schönbrunn eingestiegen und dort von Wachhunden zerfleischt worden. Der Leitartikel mit dem Titel »Planke« verglich das Los, das dem Buben beim Eindringen in das »verbotene Land« beschieden war, mit der Ächtung die dem »jungen Reichtum« von seiten des sein Revier verbissen verteidigenden »alten Reichtums« entgegenschlage.13 »Das Blatt, das um die Mittagsstunde den Mord durch die Gassen ruft, den seine Existenz an dem Rest von Ehre bedeutet, welchen dieser Welt von Gurgelabschneidern der Krieg übriggelassen hat; das mit der Unbefan- genheit, die das Nichtsnutzige als Trumpf ausspielt, den hellen Tag zum Nachtlokal macht; das Blatt, das der Moral von Rowdies und Schiebern eine Weltanschauung abgewinnt und das die Metaphysik der Haifische begründet hat  – es brachte einen Leitartikel ›Die Planke‹, worin das
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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