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geschichte des neuen Reichtums« – so der Untertitel der 29. Folge –
geschrieben haben: Camillo Castiglionis und Sigmund Bosels, »schier
die leuchtenden Transparente vor dem Eingang ins neue große Welt-
theater«, die mit dem unerhörten Satz »Jedes Blutbad war ein Jugend-
bronnen neuer großer Finanzleute« in die Traditionslinie der Roth-
schilds und Bleich röders gestellt wurden; über »die Bereitschaft des
öffentlichen Wortes, dem Aussatz der Menschheit alle Ehre zu geben«.
Er empört sich über die Verklärung von Valutenschiebern, die »in
Verbindung mit dem größten Unglück der Menschheit das meiste
Geld« gemacht hatten, zu geradezu faustischen Titanen und erinnert
daran, daß »in Verfallszeiten nicht die Würde von oben, sondern der
Dreck von unten kommt«.
Ohne Békessy hier noch zu nennen, hat Kraus ihn doch schon im
Visier. Vollends wenn er drei Monate darauf die »Käuflichkeit der Leute,
von denen man weiß, daß sie nicht auf die Börse gehn, um über sie zu
berichten, sondern über sie berichten, um auf die Börse zu gehn«, an-
spricht10; wenn ihm die Mondänität der »Stunde« »bloß der ungezügelte
Drang der neuen Publizistik [ist], jenem Reichtum, der andere sterben
ließ, das Leben und Lebenlassen zu garantieren, bloß die Frechheit, ihm
auch noch zu einem guten Gewissen verhelfen zu wollen«;11wenn er
sich kategorisch gegen die Anbiederung von seiten Békessys verwahrt
und sich über dessen selbstgerechte Pose lustig macht.
Nach beinah einem Jahr Stillhaltens platzt Kraus im Dezember 1924
der Kragen. Zum einen thematisiert er die dubiose Rolle, die »Die
Stunde« im Zusammenhang mit dem Krach der Nordisch-Österreichi-
schen Bank gespielt hatte;12 und äußert – viel vehementer noch – seine
Abscheu vor einem anonymen Leitartikel der »Stunde«. Ein vierzehn-
jähriger obdachloser Schuhmacherlehrling war in der Nacht von 23. auf
24. Oktober über eine Bretterwand in die Parkanlage des Etablissement
Tivoli in Schönbrunn eingestiegen und dort von Wachhunden zerfleischt
worden. Der Leitartikel mit dem Titel »Planke« verglich das Los, das
dem Buben beim Eindringen in das »verbotene Land« beschieden war,
mit der Ächtung die dem »jungen Reichtum« von seiten des sein Revier
verbissen verteidigenden »alten Reichtums« entgegenschlage.13 »Das
Blatt, das um die Mittagsstunde den Mord durch die Gassen ruft, den
seine Existenz an dem Rest von Ehre bedeutet, welchen dieser Welt von
Gurgelabschneidern der Krieg übriggelassen hat; das mit der Unbefan-
genheit, die das Nichtsnutzige als Trumpf ausspielt, den hellen Tag zum
Nachtlokal macht; das Blatt, das der Moral von Rowdies und Schiebern
eine Weltanschauung abgewinnt und das die Metaphysik der Haifische
begründet hat – es brachte einen Leitartikel ›Die Planke‹, worin das
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Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Anton Kuh
- Subtitle
- Biographie
- Author
- Walter Schübler
- Publisher
- Wallstein Verlag
- Location
- Göttingen
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Size
- 13.8 x 22.2 cm
- Pages
- 576
- Category
- Biographien