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Anton Kuh - Biographie
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191 Abscheu vor dem Herumschnüffeln im Privatleben von in der Öffent- lichkeit stehenden Personen kundzutun. »Die Stunde« hat behaglich ausgewalzt, daß die Frau des Baron Reitzes, eines stadtbekannten Neu- reichen, in Begleitung des jungen Sekretärs ihres Mannes in geschäft- lichen Angelegenheiten nach Paris aufgebrochen war.19 »Reitzes« ist für »Fackel«-Leser ein Signalwort für unsaubere Geschäfte, das wiederholt im Zusammenhang mit dubiosen Geschäftspraktiken gefallen ist. Den- noch: »ihm in seiner privatesten Lage nicht den Schutz jener ultima ratio zuzubilligen, die der ›Stunde‹ zeigt, wie viel’s geschlagen hat, wäre schon jene moralische Erbärmlichkeit, aus der die Berichterstattung über Ehebegebenheiten als eine Selbstverständlichkeit hervorgeht«; des- wegen ergreift er Partei gegen ein »prinzipielles Fallotentum, das weder Ehrfurcht noch Rücksicht auf irgend eine Tatsache des Lebens und Sterbens kennt, kein Verdienst des Geistes achtet und keinen Anspruch der Not, nichts wahrnimmt außer dem eigenen Geschäft und alles nur für dieses, kein Geheimnis verschlossen läßt, das die Aufmachung lohnt, und den Skandal als Stundenschlager anzeigt«.20 Im Juli läßt er sich gar dazu herbei, Ernst Benedikt, dem Herausgeber der »Neuen Freien Presse«, beizuspringen. Auf einen Artikel der »Neuen Freien Presse«, der Otto Rothstock nach dessen Attentat auf Hugo Bettauer als »tadellos ehrlich« bezeichnete,21 reagierte die »Stunde« mit einer ätzenden Schmähung Benedikts, den sie als »Hausjud des Haken- kreuzmordes«22 beschimpft und unverblümt mehrfach als Wichser hin- stellt.23 Kraus ergreift für sein längjährig beschworenes Feindbild Partei, »weil die Unantastbarkeit fremder Genitalien selbst dann ein Kulturge- bot ist, wenn die Besitzer beruflich gefrevelt haben, und zumal dann, wenn das Geschlechtsleben nur so mit dem Wirtschaftsleben zusam- menhängt, daß für die Diskretion gezahlt werden müßte«24. Von März 1925 an entspinnt sich ein Schlagabtausch, der mit unglei- chen Waffen geführt wird: Hie der erbitterte publizistische und juridi- sche Kampf des lauteren Wortes gegen eine »Journalistik der Fressack und Naschkatz«25, da ein Geprassel an Untergriffen und Diffamierungen. Kraus eröffnet mit dem Pamphlet »Die ›Stunde‹ bietet die Darstel- lung der wirklichen Ereignisse des Lebens«.26 »Die Stunde« antwortet mit einem Photo, das auf der Seite 1 den elfjährigen Kraus und seine Schwester zeigt, mit der er, so der Bildtext, »bekanntlich jetzt einen Erbschaftsstreit führt«. Eine interne Anweisung Békessys wurde beim Retuschieren des Jugendphotos bis zum Grotesken ausgereizt: Kraus »so mies als möglich«27 zu machen: riesige, abstehende Ohren, riesige Füße, ein riesiges Maul. Die gerichtlich durchgesetzte Berichtigung nutzt die »Stunde«28, um noch ein Schäuferl nachzulegen. Dem retuschierten
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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