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Anton Kuh - Biographie
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216 detektivinstitut ›Ethos‹«: »Ich wollte zuerst, als ich im Laufe des Sams- tags und Sonntags bis spät in die Nacht hinein ununterbrochen und von Viertelstunde zu Viertelstunde telephonisch mystifiziert wurde  – die unglaublichen sherlockholmesisch verwickelten Irreführungen kann ich hier nicht detailliert wiedergeben  –, kaum glauben, daß diese mühevollen Foppereien von der Hand des Karl Kraus und seines Anwalts gesegnet seien; daß hier ein Freiwilligenkorps enragierter Jüngels in Wettbewerb getreten sei, um sich den Kraus-Orden am Bande der Sittlichkeits- medaille für die Feststellung zu verdienen, ob ich faktisch im Bett liege oder nicht. […] Nun  – ist dieser heilige Eifer, diese detektivische Müh’- Entfaltung nicht kostbar? Sieht man hinter dieser gymnasiastenhaften Kinderei nicht den fanatischen Beweis-Geier, wie ihm die Lippen nach ›Eruierung‹ lechzen, der ganz großen ethischen Sache zuliebe? Erkennt man hier nicht die ganze Methode des Materialsammelns und Aus- schnupperns wieder, die den treffenden und genialen ›Fackel‹-An spie- lungen zu Grunde liegt? Spürt man nicht, wie er in diesen Wonnen des Stelligmachens, Nachweisens, Herauskriegens aufgeht, als gälte es eine Vorladung vors Jüngste Gericht? Ich hatte drei Tage lang das Gefühl, in die Werkstatt eines ›Fackel‹-Artikels zu blicken; so nämlich sehen die konkreten Vorarbeiten aus, die der geistigen Schöpfung vorangehen. Herr Karl Kraus hätte, um seinem ethischen Drang schrankenloser zu leben, doch ein Polizeikommissär werden müssen.«18 Am 10. Juni legt Kraus in einem ergänzenden Antrag weitere Beweise für die »Irreführung des Gerichtes« durch Kuh vor und gibt, unter Nennung eines Zeugen, bekannt, daß »sich seit der ›schweren Blind- darmentzündung‹ des Beschuldigten vom 5. Juni 1926 sein Befinden so rapid gebessert hat, dass er bereits am 6. Juni 1926 abends beim Heurigen in Heiligenstadt in der Lage war, grössere Quantitäten Alkohol zu sich zu nehmen«. Samstag, 11. November 1926  – Faschingsbeginn!  –, Strafbezirks- gericht I, Wien II., Schiffamtsgasse 1, Verhandlungssaal 16, 12 Uhr. Kuh erscheint zwar in Begleitung seines Verteidigers Friedrich Schnepp und von dessen Konzipienten Salo Weitberg, führt seine Sache jedoch zu- meist selbst.19 Er bekennt, die inkriminierten Äußerungen im angegebe- nen oder ähnlichen Wortlaut gemacht zu haben, bestreitet jedoch die Kompetenz des Bezirksgerichts: »Literarische Auseinandersetzungen, auch pamphletistischen Inhaltes« unterlägen nicht der juristischen Be- urteilung. Kraus habe selbst »unzählige Polemiken gegen die gesamte künstlerische und wissenschaftliche Welt geführt in der Sicherheit, seine Verantwortung hiefür nicht beim Bezirksgericht erbringen zu müssen«. Er verwahrt sich insbesondere dagegen, daß die inkriminierten Stellen
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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