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Anton Kuh - Biographie
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217 aus dem Zusammenhang gerissen sind, der »Gesamtinhalt« des Vortrags habe nämlich keineswegs »eine beleidigende Wirkung« gehabt. Geht dann auf die inkriminierten Ausdrücke resp. Passagen im einzelnen ein. Das Wort »Itzigseuche« sei von ihm beim Vortrag spontan geprägt worden. Ein beleidigender Inhalt dieses Wortes sei erst zu beweisen. Dieses Wort existiere in seinem wörtlichen Sinn überhaupt nicht, »weil es eine solche Seuche bakteriologisch nicht gibt. In metaphorischem Sinne aber ist es keine Beleidigung, weil jede Metapher die Herabsetzung der andern zum Stoffe hat. In diesem Sinne ausschliesslich hat z. B. Nietzsche in seiner Schrift gegen Strauss diesen ›Bildungsphilister‹ ge- nannt. Dieser war weit entfernt, dadurch beleidigt zu sein, und die ganze Welt fasst die Metapher als eine Anspielung auf asketische, äst[h]etische und pädagogische Entartung auf. Ich bestreite somit das Vorliegen des objektiven Tatbestandes einer Beleidigung.« Der Satz »Ich schäme mich, mit lauter Stimme den Namen des Mannes zu nennen, den ich nur flü- sternd sage: Karl Kraus« kehre sich nur gegen die Kraus-Anhänger, »die so beschaffen sind, dass man sich hütet, in den Verdacht zu kom- men, ein solcher zu sein, also in die kleine Schiffgasse des Geistes* zu kommen«.  – Samek läßt die Klage auf »die kleine Schiffgasse des Geistes« ausdehnen. Kuh beharrt darauf, daß Kraus in »Literatur oder Man wird doch da sehn« mit der Passage »Ich komme von rückwärts gegen ihn, da kenn ich mich aus!« auf ihn angespielt habe. »Intelligenzplebejer« sei »keine Beleidigung, sondern ein polemischer Terminus, bei dem man so lange nachdenken muss, dass jede Beleidigung verflieg[e]«. »Ases« resp. »Asesponem«, wie er, Kuh, übrigens wiederholt von Kraus ge- nannt worden sei, habe nicht die in der Klage angegebene Bedeutung, bezeichne also nicht einen Menschen »niedrigster Frechheit«, sondern ein »boshaftes Gesicht, das man entweder nicht anschaue oder das man anspucke«. Karl Kraus, der aus dem Ghetto eines mährischen Dorfes stamme, müsse die wahre Bedeutung dieses Ausdrucks bekannt sein. Zum Beweis dafür beantragt Kuh die Ladung des Tempeldieners aus der Heimatgemeinde Kraus’.20 Als Sachverständige über den wahren Sinn dieses Wortes beantragt er den Komiker Armin Berg und den Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde.  – Der Antrag Sameks, der darin eine Verunglimpfung seines Mandanten sieht, wegen dieser Äußerung eine Disziplinarstrafe über Kuh zu verhängen, wird vom Richter abgelehnt. Und die Verlesung eines Kapitels aus »Also sprach * Kleine Schiffgasse: Straßenzug in der Leopoldstadt, dem Wiener Gemeinde- bezirk mit dem höchsten Anteil jüdischer Wohnbevölkerung (1920 umbe- nannt in Franz-Hochedlinger-Gasse). Metonym für: Ghetto resp. Juden.
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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