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entwickelt hatte«, so Paul Schick mit etwas verquer daherkommendem
Sarkasmus.3
Wie weit Kuh an der Schmutzkübelkampagne schreibend teilnimmt,
ist nicht mehr bis ins letzte zu klären. Er macht keinen Hehl daraus,
»unter dem Schutzmantel der Anonymität« Kraus angegriffen zu ha-
ben
– mit einem offenen Disput hätte er riskiert, sein ganzes Leben lang
ein »Geplänkel« mit dem manischen »Antwortgeber« Kraus führen zu
müssen. Was die anonymen gegen Karl Kraus gerichteten Beiträge in der
»Stunde« betrifft, gibt Anton Kuh bei Vernehmungen als Beschuldigter
vor dem Wiener Strafbezirksgericht I am 5.1.19264 wie auch am 9.1.19265
zu Protokoll, »eine Anzahl von Glossen und Notizen« verfaßt zu haben.
Es verbergen zu wollen hätte wenig Sinn gehabt, »zu gut wußte die
ganze Stadt«, so Kuh, »daß ich es war, der sich des neuen Blattes zur
Verspottung des Kraus bediente – daß ich mich so lange vorher und
ohne ›Stunde‹ in diesem Unterhaltungssport übte«.6
Offenbar weiß das auch Karl Kraus. Denn er greift Kuh während der
Kampagne gegen die »Stunde« wiederholt persönlich an, gibt seinem
Widersacher per »Fackel« Schlag auf Schlag dies und jenes zu verstehen.
Versieht etwa den »Farewell« Kuhs an Adalbert Sternberg, in dem Kuh
sich als der »in effigie Ausgewiesene« vom »faktisch und endgültig Aus-
gewiesenen« mit der Beteuerung verabschiedete, daß er sich mit ihm
»wie alle Unverdorrten und Wirklichkeitsvollen dieser Stadt, im Geiste
mit ausgewiesen fühle«, mit folgendem Kommentar: »meines Wissens
gibt es kein Gesetz, welches zugleich mit der Ausweisung lästiger
Ausländer denjenigen Bundesbürgern die Verpflichtung zum Aufent-
halt vorschriebe, die sich vom Inland belästigt fühlen«.7 Zweimal um-
blättern
– und die verhaltene Aufforderung, sich dem Grafen Sternberg
doch anzuschließen, gewinnt an Vehemenz: »Hinaus aus Wien mit dem
Schuft!« steht dort zu lesen. Er zeiht ihn im Zusammenhang mit einem
lobenden Vorspann, den Kuh zu einem in der »Stunde« abgedruckten
Text Fred Hildenbrandts geschrieben hat, der Käuflichkeit.8 Er zitiert
kommentarlos eine Passage aus Kuhs Besprechung von Sardous Salon-
humoreske »Die guten Freunde« – in der eindringlich geschilderten
Ekelhaftigkeit der von Carl Götz verkörperten Figur soll sich offenbar
der Theaterrezensent der »Stunde« gespiegelt sehen9 –, reibt seinem
Kontrahenten, indem er das Wort »Neid« spationiert, dessen »niedrige
Motive« unter die Nase und gibt ihm durch den Sperrdruck von »Staats-
anwalt« zu verstehen, wo dessen Attacken für ihn enden würden.
Recht hat Kuh hingegen, wenn er die hanebüchene Schmähung »Cow-
boy« auf sich bezieht. Die war so platt wie unmißverständlich auf Kuh
gemünzt, daß man es nur als kindisch bezeichnen kann, daß Kraus es
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Buch Anton Kuh - Biographie"
Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Anton Kuh
- Untertitel
- Biographie
- Autor
- Walter Schübler
- Verlag
- Wallstein Verlag
- Ort
- Göttingen
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Abmessungen
- 13.8 x 22.2 cm
- Seiten
- 576
- Kategorie
- Biographien