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Anton Kuh - Biographie
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233 vor Gericht mehrfach abstritt. Kindisch auch der Aplomb, mit dem Kraus im Prozeß in der Sache »Vortragsaffe« darauf beharrt, »das eigene Blatt des Beschuldigten«, also »Die Stunde«, habe über Kraus’ »Vor- tragstätigkeit […] in den überschwenglichsten Lobesworten« gespro- chen.10 Ist es schlicht Verblendung oder Dreistigkeit, daß Karl Kraus über die süffisanten Schmähungen hinweggeht, mit denen die »Stunde« seine Vorträge bedachte?11 Recht hat Kuh vor allem mit »Ethospetetos«, mit dem Vorwurf also, daß der »große Ethiker«, wenn’s um seine eigene Person geht, seine rigorosen Maßstäbe gern einmal beiseite setzt. Derselbe Karl Kraus, dem Eingriffe ins Privatleben das Stigma der Lumperei sind; der sich in seiner General abrechnung mit den jungen Expressionisten »Aus der Sudel- küche«12 insbesondere gegen die ihm von Werfel im Drama »Spiegel- mensch« in den Mund gelegten Worte »Kurz und gut, weil ich zwar den Menschen aus den Augen, doch nicht in die Augen sehen kann, will ich ihnen lieber gleich in den Hintern schaun, ob dort ihr Ethos in Ordnung ist« verwahrt als eine »von jeder Silbe« seines »Lebenswerks Lügen ge- strafte Zeichnung, die ihren eigenen Sinn« seinem »Kampf für das Recht der sexuellen Persönlichkeit« verdanke; der in der Klagsschrift, die er in dem wegen Ehrenbeleidigung in Anton Kuhs Vortrag »Der Affe Zara- thustras« angestrengten Verfahren einreicht, den Vorwurf, er habe auf die »erotischen Neigungen« Kuhs angespielt, empört zurückweist, da er »die Verwertung von Tatsachen des Privat- und Sexuallebens im öffent- lichen Kampfe wirklich stets perhorreszierte und aus diesem Grunde auch gegen Harden einen langen und energischen Pressekampf führte«13  – dieser selbe Karl Kraus hatte sich nicht nur nicht entblödet, 1921 in »Literatur oder Man wird da doch sehn« mit allerlei »Rufen« wie: »Das ist sein Vaterkomplex!«, »Selbsthaß des Judentums!«, »Ich krieg Reiß für ein Buch gegen ihn!« auf Kuhs »Juden und Deutsche«, sondern gleich darunter mit dem »Ruf« »Ich komme von rückwärts gegen ihn, da kenn ich mich aus!«14 auf Kuhs in jungen Jahren (auch) gelebte Homosexua- lität anzuspielen, sondern sich im Oktober 1925  – diesmal gänzlich unverhohlen  – neuerlich dieses Untergriffs bedient, indem er der »Bé- kessy-Journalistik« attestiert, sie habe »bahnbrechend gewirkt, indem sie die homosexuelle Note in die Theaterkritik eingeführt hat«.15 Und damit die Rechtfertigung für Kuhs Behauptung geliefert, daß es mit Kraus’ so selbstgerecht zur Schau getragenem Ethos nicht weit her sei, »daß man mit ein und derselben Dialektik ›eso‹ machen kann und ›eso‹«. Erster (groß geschrieben) Theaterkritiker der »Stunde« war nämlich Anton Kuh.
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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