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Anton Kuh - Biographie
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245 »Verpatzter Äther«  – Im Radio »Angst vor dem Radio«1: Der Titel mag kokett klingen, zumal 1930, als der Rundfunk den Kinderschuhen schon entwachsen ist. Kuhs Angst ist indessen nicht mehr das bange Staunen vor dem modernen Wunder, als das die meisten seiner Zeitgenossen die technische Möglichkeit erlebten, (zunächst nur) die menschliche Stimme aufzuzeichnen oder live über weite Entfernungen zu übertragen. Auch ist er in seinem Unbehagen angesichts einer Apparatur, über die die körperlose Stimme direkt ins Hirn drang  – in den Pioniertagen des Radios, Ende 1923, Anfang 1924, und bis 1928, als erste Geräte mit elektroakustischem Lautsprecher die Beschallung eines Raums ermöglichten, lauschte man dem Rundfunk mittels Kopfhörern  –, nicht allein. Seine Reserviertheit ist die »humani- stisch gesinnter Menschen«, die  – im Gegensatz zum Elektrotechniker  – die »vermaledeite Gewohnheit« haben, »nach dem Sinn zu fragen, bevor sie über Zwecke disponieren«. Und sechs Jahre nachdem in Deutschland und Österreich der Rundfunkbetrieb aufgenommen worden war, hat sich Kuhs metaphysische Scheu vor der neuen Erfindung, die wie aus heiterem Himmel gekommen war  – Bertolt Brecht nannte den Rund- funk eine Erfindung, die »nicht bestellt« gewesen sei2  –, nur verstärkt. Einen »verpatzten Äther«, das sei aber auch schon alles, was man dem technischen Wunderwerk an »Segnungen« zu danken habe, gran- telt die Kuhsche Kunstfigur Brunneisel3, und sein Schöpfer expliziert: Denn nun jagt die »Sprache des platten Lebens, bisher in der Enge ver- weht, […] wie ein Orkan über den Erdball«; nun ist das Wellenreich des Universums eine einzige »Kritzelwand für die phonetische Spur des kleinen Erdenwichts« geworden. Mit einer »Flut von Rede-Papier« wird »das arme Ohr der Menschheit« betäubt, und »indem sie das Radio so zu einer tönenden Schwester der Zeitung machen«, merken die Rund- funkmacher gar nicht, daß sie seine Erfindung unnütz werden lassen, weil sie damit ganz den Sinn der Erfindung vergäßen: »die Entdeckung der Menschenstimme«. Es ist dieses »Mißverhältnis zwischen Apparatur und Geist«, das Kuh ängstigt, der »Tonfall der Gemeinheit«, der ins Universum gesendet werde; daß  – statt des Erdgeists  – sich, »spuckend, zischelnd, speichelnd, fettend, der phonetische Dreikäsehoch auf un- endliche Wellen« schwingt. Ganz so platt wie in Kuhs Parodie »Der Tag des Rundfunks«4 neh- men sich die Radioprogramme der 1920er und 1930er Jahre nicht aus,
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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