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Anton Kuh - Biographie
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255 Noch harscher ins Gericht gehen Ihering und Kracauer mit dem zweiten amerikanischen abendfüllenden Tonfilm, der in Berlin läuft, mit dem Film »Submarine« um die Rettung der Besatzung eines auf Grund gelaufenen U-Boots in allerletzter Minute. Ihering: »Stummer Film mit synchronisierter Begleitmusik, dazwischen Geräusche und Ensemblestimmen, Massengemurmel. Also ein schlechter Film. Als stummer Film ist er verlegen. Die Schauspieler stehen herum, bewegen sich langsam oder gar nicht, kräuseln die Lippen  – es ist, als ob man  ihnen die Sprache nachträglich weggenommen hätte. Ein Taub- stummenfilm.« Bei dem Gedudel der Filmmusik wünscht er sich in die  Zeiten der klischierten Kinotheken-Musikbegleitung zurück, jenes Repertoires von bekannten längeren oder kürzeren Ausschnitten der klassischen Musikliteratur, das ab Mitte der 1920er Jahre gebrauchs- fertig zur Illustrierung typischer, immer wiederkehrender Motive, Vorgänge und Situationen eingesetzt wurde. Die Story: »verlogenste Sentimentalität«.6 Kracauers Resümee: »Mit technischer Virtuosität verkitscht [der Film] furchtbare Ereignisse zu Sensationen« und: »Die Verlogenheit, mit der hier die Wirklichkeit geschändet ist, kennt nicht ihresgleichen.«7 Eine ideologiekritische Lektüre des US-Films, die nicht nur an Sieg- fried Kracauer gemahnt, sondern bis in einzelne Formulierungen in frappantem Gleichklang argumentiert, unternimmt auch Anton Kuh: »Karl May, 420 Meter unter dem Meeresspiegel. Sie liegen wie die Räuber um ihren Moor. Und die Hosen sind noch immer schneeweiß. Wahrlich, das Ersticken ist, wenn man’s so sieht, ein Schülerausflug. So stramm und kameradschaftsfroh geht’s ja angesichts des Todes immer zu  – die Kamera war doch dabei? Zum Beispiel: Titanic, nicht wahr? Oder im vorigen Jahr: Santa Margherita. Da hat keiner den andern wie  eine Bestie zertreten, keiner sich vor dem andern gerettet, da galt Offizierspflicht ›bis zur letzten Sekunde‹?« Um sein Resümee »›Sub- marine‹ oder: Der Anti-Potemkin« wie folgt zu begründen: »Denn die unerhörtesten Erfindungen der Neuzeit, Marconi, Aeroplan, Synchro- nismus, Technik zum Kubus, werden hier aufgeboten  – um Wirklich- keiten zu zeigen? Nein: um Unwirklichkeiten schmackhafter zu ma- chen. Eine Seite Courths-Mahler ist wahrer als die ganze Welt, die diesem Riesenbau als menschliches Fundament dient. […] So mar- schiert eine neue Errungenschaft. So beginnt eine neue Welt. Kaum geschaffen, kommt sie in des producers Hand. Wird an die Urdumm- heit geschaltet. Schießt Kanonen auf der Menschheit kindisches Herz ab. / Ein neues Wunder ist übers Meer gekommen  – und was bringt es? Die alte Pest.«8
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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