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Anton Kuh - Biographie
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256 Die Kinderkrankheiten des jungen Mediums konnten dessen Sieges- zug nicht aufhalten. Das alte Medium wurde durch das neue innerhalb kürzester Zeit vollständig verdrängt. Daß der bekennende Physiognomiker Kuh das Ende des Stumm- films bedauerte, der mit den ihm eigenen Ausdrucksmöglichkeiten und -mitteln, mit der expressiven, gleichsam auf laut gestellten Mimik und Gestik die physiognomische und pathognomische Kunst par excellence war, verwundert nicht. Er hatte indessen früh, schon 1912, auch der noch stummen Illusionsmaschine gegenüber seine Reserven geäußert, in der die Zeit ihr Gleichnis gefunden habe: »Sensation und Schnellig- keit, mit Musikbegleitung, aber ohne Text. […] Das Leben ist nicht mehr ein Theater. Es ist ein Kino.« Vor dieser »modernen Lebens- verheißung«, die an allen Ecken und Enden in elektrischen Lettern starrt und die es zunehmend schwer macht, »zu unterscheiden zwi- schen dem, was wir erlebt und gesehen, was uns der Film gezeigt und wovon wir gehört und gelesen haben«; vor einem Medium, das in der Befriedigung der Schaugier Wirklichkeit nicht nur dokumentiert, son- dern erst produziert  – Kuh referiert drei Vorfälle aus Berlin, Budapest und Paris, junge Männer die sich in den Tod stürzten und die eines ge- mein hatten: Es geschah jeweils vor einer Kamera  –, als inszeniere eine Kinogesellschaft die Sensationsmeldungen des Chronikteils.9 Ansonsten sind Kuhs Texte zum Thema Film und Filmbranche ganz auf Parodie und Satire gestellt, wimmelt es darin von illiteraten Regisseu- ren10 und Produzenten11, denen kein Sujet abgedroschen genug, kein Plot simpel genug und keine Figur zu klischiert, kein Stoff zu kolportage- haft12 sein kann. Er mißt die großen Autoren an der Tauglichkeit ihrer Texte als Filmstoff. An der Forderung »Knapp, originell, übersichtlich, mit einer Liebesgeschichte im Mittelpunkt. Dabei versteht sich: un- anstößig und geeignet für den Provinzverleih« scheitern sie  – Dosto- jewski, Gogol, Puschkin (»alles zu breit, zu kompliziert, seelisch ver- tüftelt«!), Baudelaire (»nicht eine einzige Gesellschaftsszene«!), Goethe (»was hat er dem Provinzverleih zu sagen?«), Shakespeare (seine Vor- liebe für Monologe!; keine brauchbaren Frauenrollen!)  – allesamt: als Filmautoren unbegabt!13 Gern folgt er auch dem Rat Franz Bleis, mit dem er 1927 im »Maria-Stuart«-Film gemeinsam vor der Kamera dilet- tiert, ja nicht Geistesanwesenheit in seine Ganglien zu pumpen  – kommt bloß ein schlechtes Gesicht dabei heraus. »›Umgekehrt: alles ausschal- ten, den Hirnvorrat absperren, das Bewußtsein zum Teufel jagen  – es ist so wunderschön blöd!‹«14 Und aus eigener Erfahrung beim Filmen: »Der richtige Zustand, um sich aus einem Schriftsteller in einen Filmliebling zu verwandeln«?  – Ein unter dreitausend Tonnen Atelierlampenlicht
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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