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Anton Kuh - Biographie
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260 auf die Opposition der protestantisch-puritanischen, selbstbeherrschten und der naiv-sinnlichen, instinkthaft ungezügelten katholischen Herr- scherin aufgebaut hatte, wird die Gestalt der Elisabeth im Kuhschen Drehbuch zumindest für ihre Gegenspielerin nicht sichtbar und damit umso unheimlicher: einer der Kniffe des Kuhschen Drehbuchs, dem sich eine der eindrücklichsten Szenen verdankt: Einmal nur sieht man ihren stechenden Blick von der Galerie herab auf die Rivalin gerichtet, die im gespenstisch leeren Thronsaal ihr Schicksal kommen fühlt. Bei aller mannhaften Zurückhaltung, die Willy Haas dem Drehbuch- schreiber Anton Kuh attestierte, typisch Anton Kuhsche Faktur zeigt das merkwürdige Schicksal des Geheimvertrages zwischen Schottland und Frankreich, in dem Maria Stuart, damals noch ein Kind und »Gat- tin« des Dauphins, Schottland an Frankreich auszuliefern versprach, eines welthistorischen Dokuments also, das der Staatskanzler mal auf dem Schreibtisch offen liegen läßt, mal in der Rocktasche vergißt, mal in einem Korridor verliert, worauf es in die Toilette der schottischen Landsknechte gerät, dort aber durch einen Zufall vor dem Schicksal bewahrt bleibt, das Papier auf der Toilette eben beschieden ist, um schließlich in die Hände der englischen Richter zu gelangen und der armen Maria in England den Hals zu brechen. »Das Toilettepapier als welthistorische Macht.«30 Eine Geschichtsauffassung, deren Witz zwar zahlreiche Rezensenten goutieren, andere aber als Geschmacklosigkeit beanstanden, als »stark duftenden Witz«, für den man allenfalls im Romanischen Café auf Verständnis hoffen dürfe.31 Um abzusehender Kritik an diesem Mätzchen den Wind aus den Segeln zu nehmen, statu- iert Kuh schon zwei Monate vor der Uraufführung in einem Aufsatz über seine Erfahrungen vor der Kamera: »Als Geschichtsforscher jedoch, der ich zur Herstellung des Manuskripts vorher sein mußte, stelle ich dem Einwand künftiger Filmbesprecher: ›Wie sich der kleine Moritz die Geschichte vorstellt  …‹ jetzt schon die eiserne Erkenntnis entgegen: Die Geschichte ist genau so, wie sie sich der kleine Moritz vorstellt.«32 »Ein Frauenschicksal« signalisiert der Untertitel das Interesse und den Fokus der Autoren: eher Seelen- als historisches Drama, eher psy- chologische Studie als kostümierte Haupt- und Staatsaktion. Maria erscheint als  – freilich wenig königlicher  – männerverschlingender Vamp, der bisweilen die Allüren einer Kokotte an den Tag legt und zum Beispiel einmal dem eintretenden Thronrat mit einer riesigen Puder- quaste übermütig zuwinkt oder nach einem ehelichen Zwist im Nacht- hemd hinaus zur Schloßwache geht und die Ermordung seines Gatten anordnet. Für das abgründig Dämonische der Herrscherin, deren Hände
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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