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»Sensations-Prozeß« heißt der nächste Film, für den er das Drehbuch
schreibt, und eine Sensation ist auch die Uraufführung am 23. März
1928 im Titania-Palast in der Steglitzer Schloßstraße, denn der Film hatte
bereits vor seiner ersten öffentlichen Aufführung so viel Staub auf-
gewirbelt, daß man dieser mit Spannung entgegensah: Er war von der
Filmprüfstelle Berlin dreimal verboten worden, und zwar wegen »Ge-
fährdung der öffentlichen Ordnung« und »entsittlichender Wirkung«,
ehe er mit der Auflage »Darf jedoch vor Jugendlichen nicht vorgeführt
werden« freigegeben wurde. Womit dann groß geworben wurde: Der
Hinweis »3 Mal verboten gewesen!« – in penetrantem Fettdruck –
fehlt auf keinem Plakat.
Nach Max Brods Schauspiel »Prozeß Bunterbart« entwirft Kuh ein
Kammerspiel, dessen wechselvolle Ereignisse er mit der Spannung eines
Krimis ablaufen läßt. Abgesehen von einer flüchtigen Exposition ist ein
Schwurgerichtssaal der einzige Schauplatz, auf dem im Verlauf eines
Prozesses die gesamte Handlung sich rückwärts entrollt.
Ein Souper zu dritt: der berühmte Kunstmaler Professor Bunterbart
(Carl Goetz), seine attraktive, um einiges jüngere Frau Klarissa (Magda
Sonja) und Colonel Sullivan (Anton Pointner) von der amerikanischen
Gesandtschaft, der Freund des Hauses. Der Diener (Karl Ettlinger)
serviert den Mokka, der ältliche Professor kredenzt übertrieben jovial
selbst den Sekt. Am Morgen findet man den Hausherrn in seinem Blut,
erschossen, neben ihm der Revolver. Seine Frau wird, an Händen und
Füßen und an den Bettpfosten gefesselt und betäubt, in ihrem Schlaf-
zimmer aufgefunden. Hat Klarissa Bunterbart ihren Mann ermordet und
sich selbst gefesselt und betäubt, um einen Raubmord vorzutäuschen?
Die Indizien sprechen gegen sie, der Staatsanwalt (Nicolaus Lovric)
erhebt Anklage. Ihr wird der Prozeß gemacht, dessen zweitägige Ereig-
nisse den Film bei stets gesteigerter Spannung füllen.
Sensationsprozeß, Massenandrang des Publikums, die gesamte Presse
hat ihre Berichterstatter und Zeichner (unter anderem Jacques Kapralik)
entsandt. Klarissa Bunterbart steht vor den Geschworenen und schil-
dert die Nacht, nachdem ihr Gatte ihr den Gutenachtkuß gegeben hat.
Sie beteuert ihre Unschuld und erzählt von einem großen Unbekannten
Kurier, Jg. 2, Nr. 239, 23.10.1920 [S. 1-2] ]. Eine Erklärung (datiert: »Berlin,
6. März 1920« und adressiert an Herrn Ludwig Schwarz, Berlin Charlotten-
burg, Kantstraße 6) im Nachlaß Kuh [NL Kuh (ÖLA 227/04) über die
Überlassung aller Rechte »für die ganze Welt und auf unbeschränkte Zeit«
am »Filmbuch« »Die Jagd nach dem Tode« für den Betrag von 2500 Mark
legt jedenfalls diesen Schluß nahe.
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Buch Anton Kuh - Biographie"
Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Anton Kuh
- Untertitel
- Biographie
- Autor
- Walter Schübler
- Verlag
- Wallstein Verlag
- Ort
- Göttingen
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Abmessungen
- 13.8 x 22.2 cm
- Seiten
- 576
- Kategorie
- Biographien