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Anton Kuh - Biographie
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276 Unmittelbarer Anlaß für Kuhs Ein- respektive Auslassungen ist eine Rede im Rahmen der Pressa, der Internationalen Presse-Ausstellung in Köln von Mitte Mai bis Mitte November 1928, in der Cultusminister Carl Heinrich Becker öffentlich darüber nachgedacht hatte, die Herr- schaften, die den Platz unter dem Strich bespielten, im Sinne »kollektiver Verantwortlichkeit« an die Kandare zu nehmen, weil er dort noch allzu viel »Individualismus« und »Atomisierung der öffentlichen Meinung« ortete.79 Damit kommt er bei Kuh gerade an den Richtigen. Auch wenn dabei nichts andres als Störung der Ruhe herauskäme, insistiert er: »›Vive l’excès!‹«80 Daß Kuh eine Gelegenheit zu Polemik, zu »Gezänk« nur ungern vorübergehen läßt, war auch eine Sache des Temperaments. Viel mehr noch aber eine Frage seines Selbstverständnisses als Publizist: Für ihn ist das Feuilleton ein »Diskursort«, ein Ort mithin, wo tagtäglich nicht nur über die ästhetischen Valeurs einer neusachlichen Wedekind-Inszenie- rung oder eines dramatischen Koloratursoprans oder der Schrittfolge einer Ausdruckstänzerin ge- und verhandelt wird, sondern und eben auch im Genre der Buchbesprechung, der Theater- und Musikkritik über die Werte ge- und verhandelt wird, auf denen der gesellschaftliche Umgang gründet und die politischem Handeln die Leitlinien ziehen. Und »Gezänk«, soll heißen das Austragen von Meinungsverschieden- heiten, ist dabei elementar. Im August 1928 berichtet Anton Kuh von der Salzburger »Festspiel- Diplomatie«, der heiklen Mission, zwischen den kosmopolitischen An- sprüchen von »Max Reinhardts Pensionat der Berühmtheiten« und dem Pochen der Einheimischen auf »Bodenständigkeit« zu vermitteln.81 Im Oktober von der Generalprobe, die der »neugegründete österreichische Fascismus« in Wiener Neustadt hält:82 Für den 7. d. M. rufen die para- militärischen Verbände der zwei großen politischen Lager, der Republi- kanische Schutzbund und die Heimwehr, dort zu Großkundgebungen auf. Zusammenstöße werden durch ein massives Aufgebot von Sicher- heitskräften  – Bundesheer und Gendarmerie  – verhindert. So wie er in den frühen 1920er Jahren verfolgte, was im Deutschen Reich vor sich ging, beobachtet er nun von Berlin aus besorgt die politi- sche Entwicklung in Österreich. Bereits nach dem Scheitern der ersten Koalitionsregierung aus Sozialdemokraten und Christlichsozialen, 1920, waren die ideologischen Gräben aufgebrochen, hatte sich die Lager bildung in der österreichischen Innenpolitik verschärft, eng ver- bunden mit den jeweils zugehörigen Wehrverbänden: dem Republika- nischen Schutzbund, der an der Kandare des sozialdemokratischen
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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