Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
Anton Kuh - Biographie
Seite - 277 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 277 - in Anton Kuh - Biographie

Bild der Seite - 277 -

Bild der Seite - 277 - in Anton Kuh - Biographie

Text der Seite - 277 -

277 Parteivorstands lag, und den bis zum Mai 1930 stark föderalistisch or- ganisierten Heimwehren. Der 15. Juli 1927* beförderte die politische Polari sierung, zwischen 1929 und 1933 herrschte de facto »latenter Bürger krieg«83. Die Heimwehrverbände  – von den aufeinanderfolgen- den bürgerlichen Regierungen mehr oder weniger unterstützt  – spiel- ten nach der verhängnisvollen Fehleinschätzung der Situation durch die sozialdemokratische Parteileitung am 15. Juli 1927 und dem daraus resultierenden Versagen des Schutzbundes bis zum Winter 1930/1931 mit Aufmärschen in gegnerischem Einflußgebiet und dadurch provo- zierten Gegenaufmärschen regelmäßig mit dem Feuer. Im Korneuburger Eid vom 18. Mai 1930 wurden alle Heimwehrverbände auf einen anti- parlamentarischen Kurs eingeschworen  – »Wir verwerfen den west- lichen demokratischen Parlamentarismus und den Parteienstaat«  –, und in der Regierung Vaugoin nahmen ab September 1930 Ernst Rüdiger Starhemberg, der Bundesführer der Heimwehr, als Innenminister und der Salzburger Heimwehrführer Franz Hueber, Schwager Hermann Görings, als Justizminister Schlüsselpositionen der Innenpolitik ein. Zugleich befanden sich die »Hakenkreuzler« seit 1923 im Windschat- ten der Münchner Bruderpartei auf dem Vormarsch, provozierten mit Versammlungen und Aufmärschen in »roten« Territorien und verfolg- ten ab 1930 ganz offen eine Strategie der »kalkulierten Eskalation«, insbesondere auch in den sozialdemokratischen Hochburgen, den Ge- meindebauten des Roten Wien.84 Im November 1928 ist Anton Kuh wieder einmal in seiner Geburts- stadt zu Gast. Er gibt am Mittwoch, dem 7., und am Donnerstag, dem 8.  d. M., bei den zwei von der Wiener Jeunesse dorée gestürmten Auf- tritten des weltberühmten »flüsternden Baritons« Jack Smith im Großen Konzerthaussaal den Conférencier resp., wie er witzelt, die »Spannungs- hinauszögerungsnummer«. Die Begeisterung der jungen Damen und Herren ist anfangs  – das »Symphonie-Jazz-Orchester« unter dem Diri- gat von Dol Dauber anämisch, der Flüsterbariton mit den sechs Hits aus seinem Schlagerrepertoire im riesigen Saal alles andere als erotisch kni- sternd  – auf mezzopiano gestimmt, nach der Pause aber, als die Num- * Im Verlauf von Protesten gegen ein am 14. Juli 1927 gefälltes Gerichts- urteil  – ein Geschworenengericht spricht drei Mitglieder einer Frontkämp- fervereinigung frei, die in Schattendorf, Burgenland, am 30. Januar 1927 eine Versammlung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei beschossen und dabei zwei Personen getötet und fünf schwer verletzt haben  – wird am 15. Juli 1927 der Wiener Justizpalast in Brand gesteckt. Schüssen der Polizei in die demonstrierende Menge fallen 84 Menschen zum Opfer, fünf Polizi- sten werden getötet, es gibt Hunderte Verletzte auf beiden Seiten.
zurück zum  Buch Anton Kuh - Biographie"
Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Anton Kuh