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Parteivorstands lag, und den bis zum Mai 1930 stark föderalistisch or-
ganisierten Heimwehren. Der 15. Juli 1927* beförderte die politische
Polari sierung, zwischen 1929 und 1933 herrschte de facto »latenter
BĂĽrger
krieg«83. Die Heimwehrverbände – von den aufeinanderfolgen-
den bürgerlichen Regierungen mehr oder weniger unterstützt – spiel-
ten nach der verhängnisvollen Fehleinschätzung der Situation durch
die sozialdemokratische Parteileitung am 15. Juli 1927 und dem daraus
resultierenden Versagen des Schutzbundes bis zum Winter 1930/1931
mit Aufmärschen in gegnerischem Einflußgebiet und dadurch provo-
zierten Gegenaufmärschen regelmäßig mit dem Feuer. Im Korneuburger
Eid vom 18. Mai 1930 wurden alle Heimwehrverbände auf einen anti-
parlamentarischen Kurs eingeschworen – »Wir verwerfen den west-
lichen demokratischen Parlamentarismus und den Parteienstaat« –, und
in der Regierung Vaugoin nahmen ab September 1930 Ernst RĂĽdiger
Starhemberg, der BundesfĂĽhrer der Heimwehr, als Innenminister und
der Salzburger HeimwehrfĂĽhrer Franz Hueber, Schwager Hermann
Görings, als Justizminister Schlüsselpositionen der Innenpolitik ein.
Zugleich befanden sich die »Hakenkreuzler« seit 1923 im Windschat-
ten der MĂĽnchner Bruderpartei auf dem Vormarsch, provozierten mit
Versammlungen und Aufmärschen in »roten« Territorien und verfolg-
ten ab 1930 ganz offen eine Strategie der »kalkulierten Eskalation«,
insbesondere auch in den sozialdemokratischen Hochburgen, den Ge-
meindebauten des Roten Wien.84
Im November 1928 ist Anton Kuh wieder einmal in seiner Geburts-
stadt zu Gast. Er gibt am Mittwoch, dem 7., und am Donnerstag, dem
8. d. M., bei den zwei von der Wiener Jeunesse dorée gestürmten Auf-
tritten des weltberühmten »flüsternden Baritons« Jack Smith im Großen
Konzerthaussaal den Conférencier resp., wie er witzelt, die »Spannungs-
hinauszögerungsnummer«. Die Begeisterung der jungen Damen und
Herren ist anfangs – das »Symphonie-Jazz-Orchester« unter dem Diri-
gat von Dol Dauber anämisch, der Flüsterbariton mit den sechs Hits aus
seinem Schlagerrepertoire im riesigen Saal alles andere als erotisch kni-
sternd – auf mezzopiano gestimmt, nach der Pause aber, als die Num-
* Im Verlauf von Protesten gegen ein am 14. Juli 1927 gefälltes Gerichts-
urteilÂ
– ein Geschworenengericht spricht drei Mitglieder einer Frontkämp-
fervereinigung frei, die in Schattendorf, Burgenland, am 30. Januar 1927
eine Versammlung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei beschossen und
dabei zwei Personen getötet und fünf schwer verletzt haben – wird am
15. Juli 1927 der Wiener Justizpalast in Brand gesteckt. SchĂĽssen der Polizei
in die demonstrierende Menge fallen 84 Menschen zum Opfer, fĂĽnf Polizi-
sten werden getötet, es gibt Hunderte Verletzte auf beiden Seiten.
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Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Anton Kuh
- Subtitle
- Biographie
- Author
- Walter SchĂĽbler
- Publisher
- Wallstein Verlag
- Location
- Göttingen
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Size
- 13.8 x 22.2 cm
- Pages
- 576
- Category
- Biographien