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Anton Kuh - Biographie
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292 europäische Kulturzentrum ist, aus diesem »Wohlklang aus Stein und Landschaft«, »durchkribbelt von frohem Österreichertum und gewähl- ter Internationalität«, aufsteigt.133 Ungleich weniger feierlich kurz darauf sein Abgesang auf die bürger- liche Presse Berlins mit ihren mit »Karikaturen, Ulktitel[n], Photo- montagen« gesprenkelten Letternfeldern. »Die Spalten tragen neckische Spaßhütchen, über den Text ist Konfetti der Kurzweile ausgeschüttet, aus den Rubriken fliegen Papierschlangen und wickeln den Leser über- mütig ein. Wohin er guckt: Jux, Animo, Zeitvertreib.« Kuhs Diagnose: »die Panik als Jux«, die »angeschminkte Unbefangenheit, mit der der liberale Journalismus, vom Links- und Rechtstumult bedrängt, seine Leser an die Hand nimmt, in ein Kinderzimmer sperrt und sagt: So, kommt her  – alles ist ja nicht wichtig  – wir spielen jetzt ›Wer ist’s?‹ oder ›Vierfach versteckt‹ oder ›Guten Abend, Herr Meyer‹. / Es ist die händepatschende Heiterkeit, mit der ein Vater während des Gewitters spricht: ›Schaut nicht links, nicht rechts, wo’s blitzt  – lösen wir lieber zusammen ein Bilderrätselchen.‹ Mit einemmal ist allen so kicherig und verspielt zumute. Alle dürstet’s nach Allotria.« Was bedeutet dieser »Todessprung aus der Gesinnung in die Geselligkeit« auf den Punkt gebracht?  – »›Keep smiling‹ am Halsstrick« resp. die Umsetzung jenes »Leitspruchs, in dem sich das zwiespältige Verhältnis des Leitartikels zum Exzedententum der Zeit ausdrückt: ›Nun, es wird nicht so heiß gegessen, wie ich die Hosen voll hab’.‹«134 In »Was ist pensch?« nur gestreift, polemisiert Kuh auch sarkastisch gegen das nach dem 14. September 1930  – aus den Reichstagswahlen vom 14.9.1930 geht die NSDAP als zweitstärkste Partei hervor (18,3  Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen; SPD: 24,5 Prozent)  – kleinlaut ge- wordene Kabarett. Im Kabarett der Komiker nimmt man ihm die Be- merkung übel: »Ein Kabarettdirektor inseriert: ›Weg von der Politik  – zwei Stunden lachen!‹ (Dies übrigens nur im Sinn des politischen Geistes, den die Conférenciers verzapfen.)« Kurt Robitschek, der sich kurz davor noch gegen die Unterstellung verwahrt hat, er hätte geäußert, daß die »›ermüdende‹ Politik heute nicht mehr ins Kabarett gehöre«  – er habe lediglich erklärt, »daß ein ausschließlich politisches Kabarett ermüdend« sei135  –, verkündet im Dezember 1930 nach einer trotz äußerst moderater Kartenpreise enttäuschend besuchten einschlägigen Matinee  – »ein finanzieller Versager allererster Ordnung«  – das Ende des politischen Kabaretts: »Das Publikum ist aller Politik müde. In dieser Zeit, die im Alltagsleben mit Politik bis zum Rand gefüllt ist, will die Masse [der] Theaterbesucher in den zwei, drei Entspannungsstunden nichts mehr von politischen Liedern wissen. Es sind gar zu garstige
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter SchĂĽbler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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